Tag 118 – 124 Manchester Center bis Hanover

Tag 118 20.7. Zero Manchester Center: Der heutige Tag war so eigentlich nicht geplant, aber da wir doch auch richtig lange Strecken gelaufen sind, haben wir uns heute einfach einen freien Tag genommen. Für mich sieht ausschlafen an einem solchen Morgen so aus, dass ich wie gewohnt um 5:19 (keine Ahnung warum, aber das ist immer Punkt genau) aufwache und dann aber doch noch bis um 7:00 im Bett liegen bleibe. Bei Smiley sieht es dagegen eher so aus, dass er gekonnt bis 10:00 durchschlafen kann. Ich ging in der Zeit erstmal frühstücken und schrieb danach sehr lange am Blog. Zum Mittag waren sowohl Smiley wach, als auch ich fertig mit dem Blog. Es ging dann zum Essen in die Stadt in eine kleine Pizzeria und danach noch einmal zum Ausrüster. Zum Glück hatten wir schon alles Wichtige gestern erledigt, so dass wir nach diesem anstrengenden Vormittag 😀 uns am Nachmittag dem Pool widmen konnten. Am Abend gab es dann für Smiley und mich die erste Runde Golf unseres Lebens. Eingerahmt von den Green Mountains hämmerten wir die Bälle über den Platz. Wir zerpflügten den Rasen auch nur ganz leicht und im Laufe der Runde wurden wir doch immer besser. Ich hatte ein bisschen Glück und konnte als Sieger vom Platz gehen. Das Abendessen bestand aus einer Pizza mit Extra Käse, Knoblauch, Auberginen, Schinken, Knoblauch und Zwiebeln. Die Reste nahmen wir mit und die werden dann morgen als Abendessen vertilgt – lecker. Trailmeile: 1651.1 image image image image Tag 119 21.7. Lost Pond Shelter: Der heutige Morgen war leider nicht so gemächlich und gemütlich wie der Letzte. Es ging nach der Messe in den örtlichen Donut Laden. Bei Kaffee (Smiley) und heißer Schokolade (ich) gab es mal ein anderes Frühstück. Ich habe es seit ich hier bin, noch nie in einen Donut Laden geschafft, aber der hier war wirklich lecker.Danach machten wir uns auf den Weg Richtung Trail. Leider mussten wir erst gut 2 Mi laufen, bis wir eine Mitfahrgelegenheit bekamen. Am Anfang ließen wir noch 3 übrige Bierflaschen als kleine Trailmagic stehen, bevor wir Richtung Bromley Mt. losstiefelten. Auf dem Gipfel gab es dann eine erste kurze Verschnaufpause mit einem richtig guten 360 Grad Blick. Zufällig kam einer der Skipatroleure, die hier im Winter arbeiten, vorbei. Er erzählte uns, dass man im Winter an besonders klaren Tagen von hier aus den Mt. Washington sehen kann. Dieses Glück hatten wir dann doch nicht ganz. Der weitere Verlauf war dann ziemlich flach. Das Shelter war dann für 6 Leute ausgelegt, aber die vier die schon drin lagen, nahmen den kompletten Platz ein. Wir wollten aber sowieso zelten, denn ich hatte leider schon so meine Erfahrungen mit drei der vier Kollegen und wusste, das Schlafen in deren Anwesenheit unmöglich war (Warum? Sie puppsen so laut in der Nacht, das das Shelter bebt.) Zum Abendbrot gab es dann noch kalte Pizza und einen kleinen Schluck Bier. Trailmeile: 1665.9 image image image image Tag 120 22.7. Minerva Hinchey Shelter: In der Nacht wachte ich um 3:00 auf, weil die Kollegen aus dem Shelter anfingen eine kleine Party zu feiern. Der Rest der Nacht war damit für mich Geschichte. Smiley schlief wie ein Stein als ich ihn gegen 6:15 weckte. Nach dem Start in den Tag hatte Smiley hart mit seinem Knie und dem Knöchel zu kämpfen. Nach gut 5 Mi kamen wir dann an den Litle Rock Pond, an dem Smiley sich den Knöchel tapte. Der Knöchel war damit dann kein Problem mehr. Nur das Knie ärgerte ihn am restlichen Tag immer mal wieder. Die Temperaturen waren echt ziemlich gut – 22 Grad bei Wind und leicht bedecktem Himmel. Zwischendurch fing es auch an zu regnen, aber der Flaute schnell wieder ab. Auf dem vorletzten Berg des Tages standen ziemlich viele Steinmenschen herum, was wirklich witzig aussah. Da die gleichen Hiker von gestern wieder im Shelter waren, schlugen wir direkt wieder unsere Zelte auf. Trailmeile: 1680.8 image image image image image Tag 121 23.7. Cooper Lodge: Die Nacht verlief ziemlich gut, nur das unsere Zelte leicht bergab standen, so dass man nachts nach unten gerutscht ist, aber es hielt sich im Rahmen. Um 6:00 weckte ich Smiley und baute mein Zelt ab. Nach einem kleinen Frühstück kamen wir nach 3.5 Mi an eine Straße. Den Straßenverlauf folgend kamen wir zu einem kleinen Restaurant mit richtig gutem Frühstück. Mit Pancakes, French Toast, Wurst, Schinken und Eiern schien der nächste Anstieg auch gleich nur noch halb so schlimm. Es ging 3100 ft (914 m) nach oben auf den Mt. Killington. Wir dachten eigentlich das es schlimmer würde, aber nach gut 7 h Aufstieg war die Sache ausgestanden. Wir schlugen unsere Zelte kurz unterm Gipfel auf. Die letzten 0.2 Mi ging es danach mit nahezu leerem Rucksack, aber mit dem Abendessen hinauf. Es war echt ziemlich geil muss ich sagen. Die Wolken kamen auf uns zu und wir waren zwischendurch mitten drin, bevor wieder das Tal zu sehen war. Ein toller Abschluss des Tages. Trailmeile: 1694.6 image image image image image image image Tag 122 24.7. Stony Brook Shelter: In der Nacht zogen vermutlich immer mal wieder Wolken und Regen durch, denn mein Zelt war klatschnass am nächsten Morgen. Zudem war es ziemlich kalt. Seit wir die Grenze nach Vernont überquert haben, ist es doch merklich abgekühlt und viele Hiker freuen sich schon auf ihre Winterausrüstung, die sie in den nächsten Tagen abholen werden. Da ich die ganze Zeit mit meinem Yeti Schlafsack unterwegs bin, habe ich das Problem des Frierens in der Nacht nicht. Ich weckte Smiley und packte danach mein Zelt ein. Der Abstieg vom Berg war dann lang, aber soweit nicht so steinig, dass man Probleme mit den Knien bekommen könnte. Unser Plan war bis zur Meadows Lodge zu laufen und dort zu zelten. Nach einer Weile kamen wir dann zu einer Kreuzung. Hier trennten sich der Long Trail und der AT. Der Long Trail hatte an der Grenze von Massachusetts zu Vermont begonnen. Er biegt hier Richtung Westen ab und verläuft weiter durch Vermont bis an die Kanadische Grenze. Der AT hingegen biegt hier in Richtung New Hampshire ab. Ich finde das schon ein bisschen verrückt, das mitten im Wald eine Kreuzung ist mit solchen langen Wegen. Die Lodge lag dann ziemlich schön gelegen an einem Stausee. Leider konnten wir nicht bleiben, da das ganze Anwesen über das Wochenende vermietet war. Bevor es jedoch weiter ging, liefen wir noch 0.4 Mi ohne Rucksack bis in den benachbarten Deli um uns da ein Sandwich zu genehmigen. Die letzten 6 Mi bis zum Shelter waren dann fast vorbei, als Smiley zwischen zwei Bäumen hindurch kletterte. Da ich direkt nach ihm  kam, übersah ich, dass der oben noch abgebrochene Äste hatte und ich handelte mit eine Schmarre ein. Zum Glück blutete es nicht ganz so stark und es konnte nach der Desinfektion weiter gehen. Wir kamen dann in der Dämmerung am Shelter an, das aufgrund des Wochenendes und der zusätzlichen Southbounder jedoch voll war. Wir stellten also unsere Zelte auf und nach dem Abendessen ging es direkt in die Koje. Trailmeile: 1710.9 image image image image image Tag 123 25.7. Spring 1726.4: Trailmeile : Der kühle Morgen bescherte uns einen einigermaßen ersten schweißfreien Anstieg. Danach geht es immer wieder auf und ab und es gibt keinerlei Aussichten dabei, bis wir an eine Aussichtsplattform kommen. Von dort kann man sowohl den Mt. Killington als auch die ersten Ausläufer der Whites erkennen. Kurz danach hatte Smiley seine 200 Mi hinter sich gebracht und ich muss sagen Respekt, denn 200 Meilen in diesem Terrain und der Zeit sind schon ziemlich gut. Das Auf und Ab hörte bis zu unserer Campsite nicht mehr auf und um 18:00 konnten wir unsere Zelte aufschlagen. Da kein Shelter in einer vernünftigen Distanz zu erreichen war, hatten wir uns diese Stelle ausgesucht. Trailmeile: 1726.4 image image image image Tag 124 26.7. Hanover: In der Nacht prasselte der Regen auf die Bäume und unsere Zelte. Das Aufstehen mit dem Abbau des nassen Zeltes fiel mir dann auch dem entsprechend schwer. Als wir los liefen, drückte bereits die heiße schwüle Luft. In der Folge brauchten wir ziemlich viel Wasser. An einem ersten Fluss gab es eine kleine Trailmagic mit Soda. Der Plan sah für heute vor, bis zum letzten Shelter vor Hanover zu laufen und morgen einen Nero dort zu machen. Da ich mich jedoch echt ziemlich zermatscht fühlte, entschieden wir heute schon rein zu laufen um morgen einen netten Zero zu haben. Nach 4 Mi kamen uns zwei Sobos entgegen, die uns sagten, das an der nächsten Straße richtiges Essen auf uns wartete. Das setzte viele Kraftreserven frei und wir marschierten los. Leider hatten die beiden kein Zeitgefühl und aus der angegebenen 1h wurden 3h. Als wir dann über den White River kamen, klingelten die guten Hausbesitzer von der anderen Seite schon von der Veranda. Sie machten uns Eier, Wurst und Toast – einfach toll! Smiley bekam sogar seinen heiß ersehnten Kaffee. Das gab uns Kraft für die letzten 10 Mi bis nach Hanover. Kurz vor Hanover kamen wir nach Norwich. An der ersten Straße in die Stadt hinein standen auf 1 Mi 4 Kühlboxen mit Trailmagic. Das habe ich echt noch nicht gesehen. Die erste Box war leider leer. In der Zweiten gab es jedoch Saft und Wassermelone. Die Boxen 3 und 4 haben wir dann nicht genutzt, damit auch andere Hiker (im Speziellen die vielen Sobos) was davon haben. Auf der Main Street ging es noch in den Deli Shop. Dort sollte es für Hiker nach 18:00 die alten Baggels des Tages für umsonst geben. Während Smiley Baggels wollte, quatschte ich mit einem ehemaligen Thru-Hiker, der mir spontan ein Eis ausgab :-D.  Danach ging es über den Conneticut River und damit auch über die Grenze von Vermont nach New Hampshire. Das ist der letzte Bundesstaat vor Maine. Wir hatten während der Trailmagic heute Mittag bereits ein kleines Motel gebucht und so suchten wir uns nur noch eine Mitfahrgelegenheit dorthin. Das dauerte dann nicht mal 3 Minuten und er fuhr uns bis in den nächsten kleinen Ort, an dem wir nach einem Abendessen bei McDonalds, diesen langen Tag in unseren weichen Bett beendeten. Trailmeile 1747.0 image image image image image image image

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Tag 98 – 117 Vernon bis Manchester Center

Tag 98 – 111 30.6. – 13.7. Cheshire :
Die letzten Wochen waren äußerst spannend und an manchen Tagen auch ein bisschen deprimierend. Zunächst ging es nach Vernon kräftig bergauf und ich erreichte nach einigem Klettern die Bundesstaatengrenze zwischen New Jersey und New York. An diesem Tag kam ich beim Abstieg an einem glatten Stein ins rutschen und legte mich zünftig hin. Dabei hobelte ich mir auch ein bisschen Haut von der rechten Hand bis aufs Fleisch weg. Zum Glück ist da nicht mehr passiert. In den folgenden Tagen überquerte ich den Hudson River und die tiefste Stelle des Trails (mitten in einem Zoo vor dem Bärenkäfig). Am 3.7. kam ich dann am Haus eines wunderbaren Trailangels vorbei. Dort gab es alles von Dusche bis Waschmaschine und Limonade bis Bier. Der nächste Tag war Indipendence Day, der größte Feiertag im Land. So blieben die meisten beim Trailangel und machten eine dicke Party. Ich musste jedoch weiter, da ich mich mit meinem Besuch auf Great Barrington geeinigt hatte. So überquerte ich an diesem großen Feiertag die Staatsgrenze zu Conneticut. Das ist der erste Neuenglandstaat auf meiner Reise. Der Staat war nur 55 Mi kurz, aber wirklich gut in Schuss und schön zu laufen. Nach 2 Tagen querte ich die Grenze zu Massachusetts an einem wunderschönen Abend am Savages Ravine. Das ist ein kleiner Creek, in dem Bereich wurde der Weg sehr schmal. An einem Wasserfall stoppte ich und wollte ein Foto machen. Ich kam leider aus unerklärlichen Gründen ein wenig ins rutschen und ließ in einer unwillkürlichen Bewegung das Handy los. Dem Gesetz der Schwerkraft folgend, verabschiedete sich das in den Wasserfall. Alle meine Versuche das Handy im kalten Fluss zu finden schlugen fehl. Ich war echt ziemlich sauer über mich, aber es half nix. (Das ist der Grund warum dieser Beitrag so spät und etwas kürzer ausfällt). Am nächsten Tag ging es dann nach Great Barrington hinein. Ich wollte mir zunächst ein neues Handy kaufen. Im örtlichen At & T Shop hatten sie leider keine Trackphones, die auch noch mit deutscher SIM funktionieren würde. Trackphones sind hier Telefone die keine Vertragsbindung haben. Der Verkäufer schickte mich zum Walmart in die nächste Stadt. Also ging es mit dem Bus 2.5 h in die nächste Stadt Pittsfield. Dort gab es leider auch nicht das Gesuchte und so konnte ich nur unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen. In Great Barrington suchte ich mir dann ein nettes Motel und mit vollem Magen und sauberen Sachen sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Am nächsten Tag kam dann endlich der lang erwartete Besuch aus Deutschland. Mein Kumpel Phillip und ich hatten uns schon vor 3 Wochen ausgemacht, wo und wann wir uns treffen wollten. Er ist genauso alt wie ich und studiert zur Zeit in Rom an der Greogoriana Universität katholische Theologie. Um 12:30 hielt dann der Bus an der Hauptstraße in Great Barrington und dann stand mein Kumpel ein wenig verwirrt da, weil es kein Haltestellenschild gab und er nicht erwartete, einfach an einer Straße rausgeworfen zu werden. Ich hatte aber vorher ein bisschen recherchiert und wusste wo er anhält. Nach der überschwänglichen Begrüßung ging es erstmal was essen. Anschließend ging es in die Bibliothek. Ich bestellte mir via Web ein neues Handy und im Postamt schickten wir noch unnötiges Gepäck (Wintersachen und ein paar Schuhe für mich) in die nächste große Stadt. Ich war echt froh, dass alles so gut geklappt hat, da ich mich ja nicht mehr verständigen konnte. Für den ersten Tag waren dann 10 Mi angesetzt. Als wir uns gerade Richtung Frühstück aufmachen wollten, sprach mich noch eine junge Frau an. Sie bot uns an uns nach unserem Frühstück zum Trail zurück zu fahren, so mussten wir nicht weiter laufen. Am ersten Shelter an dem wir Pause machten, trafen wir noch einen anderen Thru-Hiker. Er gab Philipp direkt seinen Trailnamen – Smiley. An einer Straße veranstaltete unser Trailangel von heute morgen zusammen mit ihrem Freund noch eine richtig gute Trailmagic mit Burgern. Das Fleisch war selbst geräuchert (10 h) und schmeckte hervorragend. Zu guter letzt kamen wir irgendwann am Shelter an und hatten es für uns alleine. Smiley hatte auch noch genügend Elan um Feuerholz zu sammeln, aber nach dem Abendessen fing es an zu regnen und da hieß es dann doch in den Schlafsack steigen und den Regen genießen. Die komplette Nacht regnete es und der Morgen war recht feucht. Es ging gut gelaunt los und es lief prächtig. Kurz vor einer Trailmagic ging es über einen Brettersteg. Am Anfang hing ein Zettel: „Vorsicht Bienen“. Vor uns liefen Moosey und Luke ohne Probleme rüber, danach folgte Smiley der auch noch ohne Probleme durchkam. Die Bienen stoben aber unter dem Steg hervor und der Vierte, sprich ich, wurde am Ende gestochen. Meine Tante hatte mir aber zum Glück ein Set für  Schlangenbisse mitgegeben, mit dem man auch das Gift von Bienenstichen heraus holen kann. Es funktionierte tatsächlich ziemlich gut und in den nächsten Tagen schwoll mein Knie mit dem Stich nicht weiter an. Das Tagesziel war für uns aber noch nicht erreicht. Smiley entschied, dass er sich gut fühlte und das er unbedingt am nächsten Morgen Blaubeerpancakes in der Upper Pond Cabin haben wollte. Die letzten 3 Mi dieses 17 Mi Tages waren dann doch ein bisschen viel des Guten und nur durch langsameres Wandern zu überwinden. Dafür konnten wir nach dem Abendessen den See genießen und unsere Beine ins Wasser hängen. Die Blaubeerpancakes gab es am nächsten Morgen dann tatsächlich vom Caretaker, der sich um das Haus kümmerte. Mit 9 Mi war der dritte Tag für Smiley theoretisch auch sehr kurz. Am Abend konnte er jedoch seine Beine nicht mehr bewegen, erst nach einem guten Mittagsschlaf war das wieder möglich. Der vierte Tag für Smiley war dann wieder etwas besser. Es ging zunächst 2 Mi bis zur Cookie Lady. Hier gab es gekochte Eier und Limonade. Außerdem warteten hier zwei Päckchen auf mich. Ihr Inhalt waren ein neues Handy und Speicherkarten. Von da aus ging es bei bestem Wetter weiter bis zum 7 Mi entfernten Shelter. Am 13.7. galt es, zuerst ein bisschen nach oben zu klettern. Den ganzen Tag über war es schwül und in der Ferne hörten wir immer wieder das Grollen des Donners. Kurz vor der Stadt Cheshire kam dann noch einmal ein Ausblick ins Tal und auf die morgige Aufgabe – Mt. Greylock. In Cheshire ging es dann zunächst in den Gemeindesaal der Kirche. Hier schlugen wir unser Lager auf und brachen anschließend auf, um uns eine Pizza zu genehmigen. Leider war das Restaurant geschlossen. Auf dem Rückweg trafen wir dann jedoch einen Trailangel, der erzählte uns von einem Diner. Nach einer kurzen Stärkung im Donut Laden brachen wir dahin auf. Bei gebackenem Hühnchen und einem wunderbaren Sonnenuntergang fand der Tag einen schönen Abschluss.
Das war der kurze Abriss, was in den letzten Tagen passiert ist, den ich aufgrund meines kleinen Zusammentreffens mit dem Wasserfall stark gerafft habe.
Trailmeile: 1578.1
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Tag 112 14.7. Wilbur Clearing Shelter:
In der Nacht kühlte es merklich ab, sodass auch in unserem kleinen Raum eine angenehme Temperatur zum Schlafen war. Nach einem kurzen Frühstück ging es heute ausnahmsweise nicht direkt zurück auf den Trail, sondern erstmal zum Gottesdienst, denn diese Möglichkeit bietet sich im Wald ja doch eher sehr selten. Danach hieß es jedoch fertig machen für einen laaaaaaangen Anstieg auf Mt. Greylock. Für ungeübte Beine nicht einfach, ging es doch hinauf auf 3491 ft. Kurz vor dem Gipfel kamen wir an einem kleinen See mit Hexenhaus vorbei, aber anscheinend war keiner zu Hause. Auf dem Gipfel selber gab es zur Abwechslung mal eine Baude, in der man sich tatsächlich einen Burger und Limonade leisten konnte. Nach diesem kulinarischen Hochgenuss ging der Weg weiter am Kriegerdenkmal vorbei, bergab bis zum Shelter. Am Abend kam ein Day-Hiker vorbei, den ich fragte wo man in der nächsten Stadt Gaskartuschen kaufen könnte. Er wusste es nicht genau, aber er hatte noch eine im Keller die er uns rausstellte, sodass wir sie uns nur mitnehmen mussten.
Trailmeile: 1589.6

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Tag 113 15.7. Williamstown:
Für heute hieß es einfach nur 3 Mi bergab in die Stadt purzeln und einen schönen Nero verleben. Das Stückchen bergab ging Smiley ein wenig auf die Knie, aber das war bei mir am Anfang ja auch nicht anders. Als wir in die Stadt kamen, holten wir zunächst die Gaskartusche ab und machten uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Das gestaltete sich doch schwierig, da im örtlichen Collage ein Tattoo Festival veranstaltete wurde. Am Ende gab es dann doch ein kleines Motel, was uns aufnahm. Smiley meinte nach der ersten Dusche seit Great Barrington nur: „Verrückt wie eine Dusche so gut sein kann.“ Nach dem Einkauf und einem kleinen Bummeln durch die Stadt legten wir einfach nur noch die Füße hoch.
Trailmeile: 1592.6

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Tag 114 16.7. Congdon Shelter:
Nach dem üblichen Motelfrühstück mit Cornflakes und Muffins fuhr uns ein Motelmitarbeiter zurück zum Trail. Wie üblich ging es bergauf aus der Stadt hinaus. Im Anstieg biss mich dann wieder irgend ein Tier in die Wade. Ich weiß nicht warum, aber anscheinend trifft es echt immer den, der hinten läuft. Am Ende des Anstiegs wartete jedoch ein schönes Schild mit der Staatsgrenze zwischen Massachusetts und Vermont auf uns. Für Smiley hieß es damit erster und für mich elfter Bundesstaat geschafft. Kurz dahinter war dann auch die 1600 Mi Marke, die aber nicht sichtbar war. Der Shelter war dann ziemlich voll. Smiley entschied sich dafür zum ersten Mal zu zelten. Ich dagegen war ein bisschen faul und legte meine Isomatte einfach auf den Boden.
Trailmeile: 1606.7

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Tag 115 17.7. Goddard Shelter:
Die ersten Meilen des Tages stellten erstmal keine Probleme dar. Nach 4 Mi kam jedoch ein tiefer Einschnitt in die Landschaft. Innerhalb 1 Mi ging es 700 ft (213 m) nach unten, über die Straße und dann wieder 700 ft nach oben. Da die Knie von Smiley noch nicht ganz auf solche Belastungen eingestellt sind, dauerte es seine Zeit bis wir dieses Hindernis überwunden hatten. Es macht einfach einen ziemlichen Unterschied, ob man mit einem 14 kg Rucksack unterwegs ist oder nicht. Für den Rest des Tages ging es immer weiter gemächlich bergauf. Das Shelter stand dann kurz unter dem Gipfel, auf dem sich ein Aussichtsturm befand. Eigentlich war unser Plan, zum Sonnenuntergang die letzten 0.3 Mi hinauf zu laufen. Aus diesem Plan wurde jedoch nix, denn als wir unser Abendessen kochten, fing es an zu regnen. Smiley kippte nach diesem Tag einfach nur in den Schlafsack, während ich mich noch ein wenig mit den Southboundern unterhielt.
Trailmeile: 1621.1

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Tag 116 18.7. Stratton Pond Shelter:
In der Nacht regnete es sehr heftig und schlafen war dann eher weniger drin. Unser Plan gegen 4:30 aufzustehen und wenigstens den Sonnenaufgang anzuschauen zerschlug sich damit auch. Am Morgen nahm ich dann zwei Tüten und packte sie zwischen Fuß und Schuhe, denn die sind nicht wasserdicht. Ich erwartete eine Schlammschlacht für den heutigen Tag und die kam dann auch. Zumindest das Profil machte heute keine größeren Probleme. Es ging gemächlich zunächst 13 Mi bergab, sodass Smiley keine Probleme hatte. An einer Straße lagen ein paar Dosen Bier als Trailmagic, die wir uns dann später schmecken lassen wollten. Nach den 13 Mi kam eine weitere Trailmagic mit Hot-Dogs. Das war genau das Richtige, was man vor einem Berg brauchte. Eigentlich wollten wir hier dann zelten, aber Smiley meinte es würde ihm so gut gehen, dass wir noch 6 Mi bis zum nächsten Shelter laufen können. Damit haben wir dann morgen weniger zu gehen – gesagt getan. Auf dem Gipfel stand wieder ein Aussichtsturm und dieses Mal hatten wir eine gute Aussicht, die in Kombination mit dem Bier unschlagbar war. Der Abstieg zum Shelter war dann nur noch eine kleine Hürde. Es lag an einem Staudamm. Die Seen und Staudämme sind hier alle natürlich entstanden und sind unberührt (bis auf ein paar Wanderer).
Trailmeile: 1640.4

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Tag 117 19.7. Manchester Center:
Am Morgen begann der kurze Run auf die Stadt. Er wurde nach 0.5 Mi jedoch unterbrochen, da Smiley seinen Buff vergessen hatte. Er gönnte sich also an dieser Stelle eine kleine Extrameile. Danach ging es mit hoher Geschwindigkeit weiter, bis zur Straße nach Manchester. Wir mussten nicht mal 1 Mi warten bis jemand uns und noch 2 andere Hiker in seinen nigel nagel neuen Jeep einlud. In der Stadt angekommen, gab es bei McDonalds eine Stärkung. Ursprünglich wollten wir uns ins Hostel einquartieren, aber das war voll. Als wir dann zu einem weiteren Hotel kamen, dachten wir uns uppps das sieht teuer aus, aber fragen kostet ja nichts. Nach ein bisschen Plauderei gab es für uns dann tatsächlich ein Zimmer. Das Palmer Hotel wird von einem älteren deutschem Ehepaar geführt und verfügt über einen 9 Loch Golfplatz, Swimmingpool, Tennisplatz und noch mehr, einfach wunderbar um hier einen Zero morgen zu verleben.
Dazu mussten wir aber erstmal noch Wäsche waschen, Einkaufen und neue Wanderstockspitzen kaufen. Das ist jetzt hoffentlich das letzte Paar Spitzen bis zum Ende. Am Ende gab es ein wunderbar weiches Bett.
Trailmeile: 1651.1

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Tag 88 – 97 Hamburg bis Vernon

Tag 88 21.6. Zero Hamburg: Der heutige Tag sollte eigentlich kein Zero werden, zumindest war es nicht so geplant, aber solche Pläne ändern sich ja gerne mal. Der Grund ist ganz einfach, die letzten rund 200 Mi von Harpers Ferry aus sind wir in 11 Tagen gelaufen und ein Pause ist vor diesem steinigen Abschnitt sicherlich nicht verkehrt. Bei meinem 27 Mi Tag habe ich mir zudem ein bisschen Wunde Zehen gelaufen, da meine Füße einfach die ganze Zeit nass waren. So haben sie heute ein bisschen Zeit um zu heilen. Heute ist nicht nur Sommeranfang, sondern auch Naked Hike Day, den wir damit nun verpassen. Nach dem Frühstück ging es dann nochmal zum Outdoorladen, da ein paar Socken doch schon nicht mehr ganz ok ist. Für Earth gab es ein paar neue Schuhe von Meindl, die er sich vorrausschickt. Zum Mittagessen ging es danach zu Wendys, um die größt mögliche Kalorienanzahl mitzunehmen. Als Nachtisch ging es dann in die Hotelbar, wo wir den restlichen Tag verbrachten und uns die Spiele der Fußballweltmeisterschaft anschauten. So könnte es echt jeden Tag laufen 😀 Trailmeile: 1217.8 image image image image Tag 89 22.6. Eckville Shelter: Das Frühstück im Microtel Inn ist und war nicht unbedingt der Hammer, aber was soll’s, Kalorien rein und los. Der Trail war nicht weit entfernt (1.3 Mi), aber die muss man auch hinter sich bringen. An das Telefon des Shuttles ging leider niemand, so dass laufen angesagt war. Hitch-Hiken klappte auch nicht, aber ich war schon um 8:00 wieder zurück auf dem Weg, was ziemlich gut ist nach einen Zero. Nun hieß es wieder auf die Kammlinie klettern und weiter. Da die Sonne schien, ein leichter Wind ging und es rund 25 grad war, konnte man von einem warmen, aber durchaus angenehmen Wandertag sprechen. Nach einem langen steinigen Anstieg gab es vom Pulpit Rock eine schöne Aussicht auf Hamburg, das einem zu Füßen lag. Von da an ging es nur noch bergab bis zum Shelter. Das steht hinter dem Haus eines Caretakers und hat neben einer Dusche auch eine richtige Toilette. Den ganzen Nachmittag war dann ausruhen angesagt. Am Abend kamen dann die anderen und es wurde ein richtig lustiger Abend mit norddeutscher Gesangseinlage von Earth. An der Veranda war eine Futterstation für Kolibris angebracht. Die kamen am Abend dann auch und wenn man ruhig stand, umschwirrten sie meinen Kopf – äußerst witzige kleine Vögel. Trailmeile: 1232.2 image image image image image image image Tag 90 23.6. Georg W. Outbridge Shelter: Der Wetterbericht für heute sagte zunächst 35 grad und am Nachmittag schwere Gewitterstürme. Es ging daher schon um 6 Uhr los. Zunächst musste ich erstmal wieder auf die Kammlinie aufsteigen. Da es heute nicht besonders gut mit Wasserquellen aussah, nahm ich 3 l Wasser mit. Ab der ersten Aussicht wurde es flacher, aber immer wieder wurde es steinig. Kurz vor dem Bake Oven Shelter ging es über das Knife Edge. Hier gab es eine schöne Kletterei auf den Felsen mit Aussicht. Zwischendurch traf ich Chet, der mir als kleine Trailmagic eine Packung M&M’s gab. Im Bake Oven Shelter machte ich dann Mittagspause mit einem kleinen Schläfchen. Ich hoffte so dem Regen auszuweichen. Um 15:30 ging es dann weiter auf die letzten Meilen. Immer wieder ging es über große Geröllfelder. Nach weiteren 2 Mi gab es eine richtig gute Trailmagic mit allem was man braucht. Zunächst trank ich schnell eine Cola, denn es donnerte bereits heftig. Ich nahm mir noch eine Banane, 2 Poptarts und Instantnudeln mit, so dass ich morgen nicht in die Stadt muss, um Essen nach zu kaufen, sehr gut. Captain Planet und Silent Force waren inzwischen auch angekommen und nachdem alles verstaut war, begann der Sturm. Man konnte nix dagegen tun außer weiter gehen. Nach 30 min war so gut wie alles vorbei, der Trail geflutet und ich patsch nass. Zum Glück waren im Shelter nur zwei Section-Hiker mit Hund, so dass für alle ausreichend Platz da war. Am Abend stellte ich noch fest, das wir heute irgendwann über die 2000 km Marke gewandert sind 😀 Trailmeile: image image image image Tag 91 24.6. Leroy A. Smith Shelter: Am Morgen hieß es aus dem kuschligen Schlafsack kriechen und in die nassen Schuhe steigen. Ich wusste genau was passieren wird, die Füße werden aufschwemmen und die Zehen werden wieder wund werden. Nach dem kurzen Abstieg überquerte ich einen Fluss und eine Straße an einer Ampel, an der man wohl etwas gegen Hiker hatte. Danach begann es – der richtig steinige Teil von Pennsylvania. Am Anfang ging es steil bergauf und ich konnte endlich mal ein bisschen klettern. Von der Spitze gab es einen super Ausblick auf die beiden Täler zu beiden Seiten. Danach ging fast eben weiter bis zur Superfund Umleitung. Hier in Walnutport wurde bis 1982 eine Zinkschmelze betrieben, die den kompletten Berg und das Grundwasser darunter verseucht hat. Ein paar Jahre später wurde der Berg in das Superfundprogramm aufgenommen und wird seit dem renaturiert. Das Grundwasser weißt immer noch viel zu hohe Metallwerte auf und es ist fraglich ob der AT jemals an seinen ursprünglichen Ort zurück kann. Wenigstens gab es von der Umleitung einen schönen Ausblick. Danach war der Weg einfach zugewachsen und steinig bis zu meinem Shelter für diese Nacht. Das Wasser am Shelter war ziemlich weit weg, daher leerte ich zunächst alle Flaschen durch trinken und kochen, um sie dann direkt an der Quelle zu füllen und noch einen vollen Wassersack mitnehmen zu können. Zum Glück konnte ich Captain Planets Pumpe benutzen, ansonsten hätte es wahrscheinlich ewig gedauert. Der Rückweg zum Shelter war mit den 5 kg Wasser dann eher eine schweißtreibende Angelegenheit. Trailmeile: 1273.2 image image image image Tag 92 25.6. Delaware Water Gap: Der Tag heute begann wie der gestrige aufgehört hat – steinig. Das einzige Trostpflaster für mich war, dass das der letzte komplette Tag in Pennsylvania war. Ich hoffte, dass wie durch ein Wunder morgen keine Steine mehr auf dem Weg liegen würden, aber mal schauen. Es hieß erstmal den ganzen Tag auf die „Rolling Stones“ zu achten. Es gab weiterhin keine Wasserquellen auf dem ganzen Weg und damit hieß es Wasser schleppen. Ein weiterer Lichtblick war das Hostel, das am Ende des Tages mit einer Dusche und noch viel besser mit einem Hot Dog Abendessen lockte. Ich kam um 16:00 dort an und erwischte einen freien Platz im Bunkroom. Nach der Dusche hieß es mit leerem Magen auf das Abendessen warten, was echt nicht leicht war. Zwischendurch schaute die Pastorin der „Kirche des Berges“ vorbei, um mit uns ein wenig zu plaudern. Sie war früher Journalistin und wollte ein Buch über die Hiker und ihre Geschichten schreiben. Um 18:00 war es dann endlich soweit und das große Essen war eröffnet. Es gab Hot Dogs, Salate, Bohnen und als Nachtisch Cookies, selbst gemachtes Eis und Kuchen. Jeder wurde satt und das ist bei 20 hungrigen Hikermägen plus Kirchgemeinde nicht einfach gewesen. Für mich ging es danach noch schnell nach Stroudsburg um Essen zu kaufen. Als ich zurück war, konnte ich nur noch erschöpft in meinen Schlafsack krabbeln. Der Ort ist berühmt für seinen Jazzclub, leider war ich dafür einfach zu fertig – schade. Trailmeile: 1293.4 image image image image Tag 93 26.6. Ratle Snake Spring Campsite: Da am Morgen das Zwitschern der Vögel im Haus fehlte, schlief ich ein bisschen länger als sonst. Zum Frühstück ging es die Bäckerei der Stadt und es gab für mich ein super leckeres Eclair. Ich hatte leider schon vorher eine Packung Toffifee gefuttert, daher war für mich dort Schluss. Silent Force hatte Fritten und Ei Sandwich. Er und Captain Planet wollten heute einen kurzen Tag machen und später starten. Ich marschierte daher alleine los. Auf der Brücke aus der Stadt war es dann soweit, ich überquerte die Grenze zu New Jersey und kann damit sagen: „Pennsylvania wurde von mir abge(Rock)t 😉 “ Danach ging es wieder auf die Kammlinie und dieses Mal gab es sogar mal was zu sehen. Zunächst kam ich an einen schönen See, an dem das Schwimmen natürlich verboten war, wie soll es auch anders sein. Von da aus ging es weiter auf den Berg mit einem guten Überblick. Auf dem Kamm gab es dann immer wieder einen Ausblick und am Ende einen 360 grad Blick vom Feuerwachturm. Leider sind die Steine heute nicht auf magische Art und Weise verschwunden, aber es war schon ein bisschen besser. An der Klapperschlangen Wasserquelle machte ich dann halt und baute für die Nacht mein Zelt auf. Zu einem kurzen Fazit über Pennsylvania. An sich waren meine Befürchtungen, was die Steine angingen ein bisschen übertrieben, denn die ersten 200 Mi liefen sich ganz gut, auch wenn hin und wieder mal was im Weg lag. Anstrengend waren eigentlich nur die letzten 40 Mi bis New Jersey. Froh bin ich aber in jedem Fall diesen Bundesstaat hinter mir lassen zu können. Trailmeile: 1306.9 image image image image image Tag 94 27.6. Gren Anderson Shelter: Die Wettervorhersage für heute sagte ab dem Morgen Regen für den kompletten Tag voraus. Ich baute mein Zelt daher schon um 5:30 ab und zum Glück blieb es bis um 8:00 auch noch trocken. Danach ging es los und sollte bis zum nächsten Tag nicht mehr aufhören. Nach 10 Mi stand ich auf dem Ratle Snake Mountain. Dort hing ein Zettel mit der Aufschrift: „Vorsichtig Schlangen verstecken sich zwischen den Steinen“. Ich ging zwei Schritte und merkte erst beim Fußheben, dass unter mir eine Schlange war. Zum Glück schlief sie, da es regnete und nicht besonders warm war. Bis zum Shelter hielt ich nicht einmal an, einfach nur weiter weiter und dann raus aus dem Regen. Die Aussichten des Tages beschränkten sich eh auf 50 m, von daher gab es nichts zu entdecken. Ich kam um 13:00 an und das Häuschen war nahezu halb voll. Nach dem ich gegessen hatte, gab es nur noch eins zu tun in den Schlafsack kriechen, denn es ist wirklich kalt hier. Das Shelter füllte sich sehr schnell und neben den vielen Amerikanern, war auch eine junge Deutsche Two Shoes. Trailmeile: 1324.8 image image image image Tag 96 28.6. Murray Property: Die ganze Nacht stürmte es aufs heftigste und die Temperatur fiel sehr tief und es war ziemlich kalt. Am Morgen waren es 13 grad, was sich viel anhört, aber aufgrund des Windes / Regens kälter anfühlte. Es dauerte gefühlte 3 Stunden, um sich aus dem Schlafsack zu schälen und in die nassen Klamotten zu quälen. Um 7:30 war es dann soweit und ich konnte in den Sturm hinaus ziehen. Die Steine waren super rutschig und der ganze Trail geflutet. Die Aussichten des Tages konnte ich mir schenken. Nach einer Weile auf dem Kamm ging es hinunter ins tiefere Land und durch die Felder. An einem der Felder stand Outlier und fotografierte ein kleines Tier. Ich habe absolut keine Ahnung was das ist, aber vielleicht ihr? Durch den Regen sind die Flüsse ein bisschen höher als sonst (vermutlich). Die Schuhe waren eh komplett nass, aber man musste es ja nicht übertreiben. Immer wieder ging es auch über Wiesen in denen das Wasser der letzten Tage stand, da halfen dann auch die Planken nicht das geringste. Ziemlich nass kam ich dann an einem kleinen Geheimtipp an – dem Murray Anwesen. Jim Murray hat direkt am Trail ein großes Areal gekauft und ein kleines Shelter darauf gesetzt. Hier gibt es eine Heizung, Steckdosen, Wasserhahn und eine Solardusche. Nach dem ich mich im lauwarmem Wasser geduscht hatte, fühlte ich mich direkt besser. Während meines Abendessens kamen dann auch noch ein paar Rehe vorbei. Warum ist das hier ein Geheimtipp? Im Buch ist dieses Shelter als solches nicht direkt erkennbar und wird daher oft überlesen. Nach 1.5 h kamen auch Silent Force und Captain Planet an. Sie erzählten mir, dass sie Delaware Water Gap einen Tag später als ich verlassen hatten und die letzten 2 Tage immer 25 Mi im Regen gemacht hatten. Trailmeile: 1343.1 image image image image image image image image Tag 97 29.6. Vernon: Die Nacht war ziemlich angenehm, da es einfach warm (geschlossener Raum) und trocken war. Leider war Silent Force ein bisschen erkaeltet, so dass er richtig heftig schnarchte. Ich musste daher mal wieder die guten alten Oropax heraus holen, die ich seit 3 Wochen nicht mehr benutzt hatte. Zum Guten Morgen Gruss kam dann endlich die Sonne raus und wir freuten uns alle tierisch darueber (wahrscheinlich werden wir sie in 2 h wieder verdammen, weil es zu warm ist, aber egal 😀 ) Der Weg führte heute zurück ins Tal und es galt zunächst durch die Sümpfe zu kommen. Dazu musste man auf rutschigen Planken laufen, aber das war auf jeden Fall mal wieder eine Abwechslung zum „normalen“ Wald. Weiterhin ging es durch ein Vogelschutzgebiet bevor es nochmal hieß: „Ab hier dürft ihr wieder schwitzen“. An der letzten Straße vor Vernon wartete dann noch eine Ueberraschung auf mich – Trailmagic in Form von Poweraid von Bloop Bleep. Er ist ebenfalls in diesem Jahr unterwegs und ich habe ihn auf dem Weg schon mehrmals getroffen, bevor er sich jetzt eine Woche Auszeit genommen hat. Die letzten 2 Meilen des Tages verliefen dann wieder auf Holzstegen, diesmal jedoch deutlich besser ausgebaut, denn das hier war eine kleine Touristenattraktion (ebenfalls ein Vogelschutzgebiet) und dementsprechend waren auch viele Menschen unterwegs. Das machte das Vorankommen natürlich nicht unbedingt einfacher. Ich kam kurz vor 12 an der Straße nach Vernon an und dort warteten schon 2 andere Hiker, die ich früher schon mal gesehen hatte. Sie waren gerade als Day Hiker unterwegs und daher mit einem Auto am Start. Sie nahmen mich freundlicherweise mit in die Stadt und so musste ich keine einzige Minute warten – ziemlich geil. In der Kleinstadt Vernon ging es dann zum Kirchenhostel, wo es einfach wunderbar ist, denn es gibt eine Dusche, Waschmaschine, einen Computer und einen Fernseher. Die Restaurants sind nicht weit weg und einen Supermarkt in der Nähe gibt es auch- kurz um sehr hikerfreundlich. Das Beste am Hostel war das kostenlose Eis, das im Kühlschrank lagerte, also ein durchaus gelungener Tag. Trailmeile: 1356.7 image image image image image image image

Tag 83 – 87 Boiling Springs bis Hamburg

Tag 83 16.6. Cove Mountain Shelter:
Ach ein Bett, ein Bett, ein Königreich für ein Bett, was für eine wunderbare Nacht! Doch jede Nacht endet irgendwann nun mal, aber egal es muss weiter gehen. Während Silent Force und Colombo sich ein fürstliches Frühstück mit Bacon, French Toast, Eiern und Würstchen genehmigten, begnügte ich mich mit Cornflakes, O-Saft und Toast. Ich hatte nämlich noch Pizza von gestern übrig und hatte mir zusätzlich ein Sandwich für das heutige Abendessen mitbestellt – das wird lecker. Als ich gestern die Pizza Chicken – Buffalo bestellte ging ich davon aus, dass auf der Pizza sowohl Hühner- als auch Büffelfleisch drauf ist. Leider steht Buffalo hier einfach nur für eine scharfe Sauce und offensichtlich weiß das auch jeder hier, nur ich wusste es nicht :-D. Nach dem Frühstück ging es zurück ins Cumberland Valley. Zum Glück war es bedeckt und eine ordentliche Brise verschaffte uns frische Luft. Der erste Stopp erfolgte an einer Trailmagic mit eiskalter Cola. Danach ging es weiter bis wir das Tal wieder verlassen mussten und es für uns in den Wald zurück ging. Kurz vor unserem Shelter sah ich dann meine erste Schildkröte und es wurde dann auch ein wenig steiniger, aber nichts unmögliches. Zum Abendessen genoss ich dann Pizza und Sandwiches, ein wunderbarer Ausklang für diesen Tag.
Trailmeile: 1142.9

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Tag 84 17.6. Wasserquelle Trailmeile 1165.0:
Nach einem kurzen morgendlichen Sprint erreichten wir Duncannon, ein kleines verschlafenes Nest an einer Autobahn. Silent Force und Colombo hatten ausreichend Essen geschleppt. Eigentlich wollten sie hier auch einkaufen um Gewicht zu sparen, aber sie haben in Boiling Springs zu viel gekauft, also gönnten sie sich nur ein kurzes Mittagessen, bevor sie weiter gingen. Ich marschierte dagegen 0.6 Mi zum nächsten Supermarkt mit Apotheke. In der Apotheke wollte ich ein bisschen Taigerbalm kaufen. Ich war nach 1.5 h zurück auf dem Weg und konnte meine Reise fortsetzen. Es ging über eine lange Brücke aus der Stadt, witzigerweise war das Fahrradfahren unter 18 und allein verboten. Nach dem ich ein paar Bahnschienen überquerte, ging es sofort bergauf und auf der Kammlinie gab es dann die volle Packung Steine. Ich dachte: „Oje, wenn das so weiter geht – na dann prost Mahlzeit“. Zum Glück wurde es später besser und es gab sogar mal eine Aussicht. Leider gab es zwischen dem Peters Mt. Shelter und Rausch Gap Shelter (Abstand 18.5 Mi) keine weiteren Shelter, daher hieß es für mich zum zweiten Mal auf dem Weg um 18:00 Zelt aufbauen. Ich war alleine an der Wasserquelle und konnte mich daher gut ausbreiten. Ich hatte die Hoffnung, dass es heute Nacht nicht regnen wird, aber mal schauen.
Trailmeile: 1165.0

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Tag 85 18.6. 501 Shelter:
Um 2:30 erwachte ich vom Regen, der schwer auf mein Zelt fiel. Ich dachte: „Och nöö, echt jetzt?“ Aber eine Kontrolle ergab, dass alles dicht war und ich mich wieder in meinem Schlafsack zurück ziehen konnte. Um 6:00 kroch ich dann schweren Herzens wieder heraus, leider hatte der Regen bisher nicht aufgehört. So musste ich das Zelt im Regen abbauen. Der ganze Tag verlief im Regen und Nebel, so dass man nichts sah. Nach 10 Mi kam ich am Rausch Gap Shelter an und nahm eine kurze Pause vom Regen. Im Shelterlog las ich, daß Silent Force und Colombo tatsächlich bis hier her gekommen sind, es war gestern für sie also ein 33 Mi Tag. Wir hatten uns für den heutigen Tag das William Pen Shelter als Treffpunkt ausgemacht, aber als ich dort nach weiteren 13 steinigen Meilen ankam, las ich dort, dass sie 4 Mi bis zum nächsten Shelter gelaufen sind. Das hatte ich mir schon gedacht, denn dort gab es eine Dusche und man konnte sich Pizza liefern lassen, für so was würde der Thru Hiker wahrscheinlich auch morden (was natürlich hoffentlich nicht passieren wird). Da es erst 16:30 war, machte ich mich also wieder auf den Weg. Leider war der Weg immer wieder zugewachsen und in schlechtem Zustand und man konnte die Steine nur schlecht sehen. Kurz vor dem Shelter passierte es dann, so wie es immer ist. Man ist müde und wird unkonzentriert nach einem langen Tag über glitschige Steine. Ich habe mich auf meinen Hosenboden gesetzt. Zum Glück ist nichts passiert und als ich im Shelter ankam, gab es eine wirklich richtig tolle Trailmagic. Es gab alles was das Herz begehrt: Tortilla, Limonade, Schokolade, Wassermelone, Erdbeeren, Käsekuchen und und und. Dafür hat es sich gelohnt so lange zu laufen. Es gab zu dem viele neue Gesichter für mich, unter anderem Earth, über den ich schon einiges gehört hatte, aber dazu morgen mehr. Ach übrigens, ab heute sind es weniger als 1000 Mi bis zu einem bestimmten Berg in Maine 😉
Trailmeile: 1193.4

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Tag 86 19.6. Eagles Nest Shelter:
Die ganze Nacht regnete es wieder richtig hart auf das Dach, so dass das Schlafen schwer fiel, aber wenigstens war es trocken. Der Start verlief dann sogar trocken. Für heute standen nur 15 Mi auf dem Plan und ich konnte daher ausgiebig die zwei Aussichten genießen. Leider stand so viel Wasser auf dem Weg, dass die Schuhe schnell nass wurden. Es wird nun jeden Tag steiniger und wir werden daher unsere Tage eher etwas kürzer gestalten. Man kann so aber auch mal die Aussichten, die sich so am Tag ergeben für eine etwas längere Zeit betrachten. Kurz vor dem Shelter traf ich dann meine zweite Schildkröte, die sich ihren Weg über den Trail bahnte. Das sind keine Schnappschildkröten und sind daher völlig ungefährlich. 2 min schlängelte sich eine schwarze Schlange, aber ein langer Schritt über sie rüber und schon konnte es weiter gehen. Am Shelter konnte ich dann mal ein bisschen Ausspannen nach dem langen Tag. Später kam dann auch Earth dazu. Er ist ein Deutscher aus Osnabrück und hier äußerst beliebt. 2012 lief er schon den Camino von Osnabrück bis Kap Finistere und war hier auf dem guten Weg schon aufzuhören. Freunde überredeten ihn noch ein bisschen weiter zu laufen und so ist er einfach dabei geblieben und hat wieder den Willen bis zum Kathadin zu kommen.
Trailmeile: 1208.5

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Tag 87 20.6. Hamburg:
Heute ist endlich mal wieder ein Tag mit einer Dusche, Burger und halbwegs sauberen Klamotten. Zunächst mussten aber noch 8 Mi überwunden werden. Das Profil sah wie immer flach in diesen Tagen aus und es lief sich auch erstaunlich gut, bis auf einen kurzen Anstieg, an dem ich wieder richtig gut ins Schwitzen kam. Der Abstieg nach Hamburg war dann so steil, dass man auf einen Schritt nach vorne quasi einen Schritt an Höhe runter musste. Da wir uns heute morgen unsicher waren, ob Hitch-Hiken hier verboten ist, musste ich so in die Stadt laufen. Dort gab es dann endlich erstmal etwas zu essen, da das Zimmer noch nicht fertig war. Nachdem alles erledigt war (Dusche, Waschen) konnten wir uns sogar noch das Ende Deutschland gegen Schweden der Fußballweltmeisterschaft anschauen. Zum Abschluss ging es noch zu Cabellas, einem wirklich riesigen Outdoorladen und in den Pub. Ich muss sagen, es ist auch mal wieder schön mit einem deutschen Hiker unterwegs zu sein, da man doch manchmal merkt wie unterschiedlich die Kulturen sind.
Trailmeile: 1217.8

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Tag 75 – 82 Harpers Ferry bis Boiling Springs

Tag 75 8.6. Zero Charles Town:
Nach einer langen und entspannten Nacht gab es ein richtig gutes Frühstück, denn das Holiday Inn bietet nicht die allgemein übliche Waffelmaschine, sondern eine Pancakemaschine. Das ist nichts anderes als ein kleiner Plins. Am Ende ist es wahrscheinlich sogar der gleiche Teig wie bei den Waffeln, aber es schmeckte trotzdem. Nachdem wir uns gestern Abend noch eine kleine Wanderung entlang des Highways zum Walmart gegönnt haben, konnten wir heute unsere Sachen mal wieder mit Antizeckenmittel besprühen. Das dauerte seine Zeit und nachdem die Sachen trocken waren, war es auch schon Zeit fürs Mittagessen. Diesmal gab es Fastfood von Taco Bell, eine Art mexikanisches Essen. Das ganze macht natürlich einen Hikeressen nicht voll, so dass es danach erstmal wieder eine Runde Eis gab. Um 15:00 bekam Silent Force die Nachricht, dass sein Besuch da war. Zwei Freundinnen kamen an und wollten mit ihm morgen nach Washington fahren. Am Abend ging es dann noch ins örtliche Casino zum Essen. Das war tatsächlich das erste Mal für mich in einem Casino, aber ich konnte der Versuchung widerstehen mein Geld dem Casino in den Rachen zu werfen.
Trailmeile: 1022.7

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Tag 76 9.6. Zero Charles Town:
Am Morgen fuhren die 2 und Silent Force nach Washington. Ich hätte zwar mitfahren können, aber ich hatte noch ein bisschen zu tun und außerdem wäre das bei 30 grad im Schatten sicherlich kein ruhiger Zero mehr. Für mich ging es nach dem Frühstück zum Einkaufen und Mittagessen. Ja an einem Zero stopft man sich eigentlich nur den ganzen Tag mit Kalorien voll. Am Nachmittag konnte ich dann einfach nur die Annehmlichkeiten eines klimatisierten Zimmers mit Super-Bett genießen. Ein Zero wie er sein muss! Am Abend kamen die drei völlig fertig wieder im Hotelzimmer an. Er meinte nur, so viele Menschen waren in der Stadt, dass er froh sei, morgen wieder zurück auf den Trail zu kommen.
Trailmeile: 1022.7

Tag 77 10.6. Rocky Run Shelter:
Alle Zeros haben eins gemeinsam, irgendwann sind sie zu Ende und man muss sich entscheiden zurück auf den Trail oder nach Hause. Für uns gibt es darauf ganz klar nur eine Antwort: ZURÜCK AUF DEN TRAIL. Also hieß es nach dem Frühstück Sachen einpacken und auf geht’s zum Walmart. Der Asphalt glühte bereits um 10 und trieb uns den Schweiß in die Augen. Vom Walmart sollte uns der Bus  Richtung Harpers Ferry zurück bringen. Da man mit dem Rucksack allerdings unweigerlich auffällt, sprechen die Leute einen schnell an. Wenn man dann erzählt, dass man in Georgia losgelaufen ist und noch dazu aus Deutschland ist, sind die meisten schon relativ Buff. So kam es dazu, das wir nicht auf den Bus warten mussten, sondern das uns jemand einfach mitnahm. In Harpers Ferry ging es nochmal kurz zur Conservancy um kurz zu schauen, wer uns alles in den letzten Tagen überholt hat. Darunter waren neben Twister und Colombo auch ein paar weitere bekannte Gesichter. Um 11 ging es dann aber endgültig zurück und wir machten uns auf unseren 15 Mi Tag durch Harpers Ferry durch und über die Eisenbahnbrücke. Diese überquerte den Potomac und markiert damit die Staatsgrenze zwischen West Virginia und Maryland. Leider gab es keine Anzeichen für ein Schild. Der Weg führte dann eine Weile entlang des Zusammenflusses aus Potomac und Shenandoha, bevor er wieder zurück in die Berge führte. Danach gab es leider nichts mehr zu sehen, sondern es hieß vorwärts laufen, auf Steine aufpassen und natürlich schwitzen was das Zeug hält. 2 Mi vor dem Shelter gab es dann noch ein historisches Tor, was für den Hiker aber völlig uninteressant war, denn es gab hier seit langem mal wieder eine richtig tolle Trailmagic mit Chips, Schokolade und eiskalten Getränken. Das machte die letzten Meilen einfacher und dort angekommen, gab es gleich die nächste Überraschung, denn ein ehemaliger Thruhiker saß da und verteilte ein paar Bier. Da sagt man natürlich nicht Nein, aber da mein Körper über den ganzen Tag dehydrierte (auch wenn ich 2.5 l trank) reichte ein kleines 0.33 l Bier aus um einem in den richtigen Dreh zu versetzen ;-).
Trailmeile: 1038.8

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Tag 78 11.6. Raven Rock Shelter:
Der Sommer nähert sich immer schneller oder ist er gar schon da? Morgens um 6:30 als wir uns auf den Weg machen, ist es bereits gefühlt 25 grad und der Schweiß läuft beim ersten Anstieg sofort in Strömen. Zum Glück standen nicht mehr unendlich viele Höhenmeter  für den Tag auf dem Plan. Nach einem kurzen Anstieg ging es zum Washington Monument, dem ersten seiner Art. Es ist älter als das Washington Monument in Washington und diente während des Bürgerkriegs als Signalturm. Leider war es heute diesig, so dass man keine Sicht auf die Umgebung hatte. Während ich etwas später einen 6 spurigen Highway über eine Fußgängerbrücke überquerte, hupte einer der Trucks freundlich (ich weiß wie kann man denn freundlich hupen :-D). An der Brücke war für die Fahrzeuge ein Schild mit der Aufschrift Appalachian Trail angebracht. Nach einer kurzen Pause im Shelter wurde es richtig steinig, ein kleiner Vorgeschmack auf Pennsylvania. Kurz nach 12:30 war der Abschnitt geschafft und da nur noch 7 Mi übrig waren, entschied ich mich für einen gepflegten Mittagsschlaf, um der größten Hitze aus dem Weg zu gehen. So ein Mittagsschlaf kann echte Wunder bewirken, denn danach fühlte ich mich richtig ausgeruht und die letzten Meilen flogen nur so dahin. Da sich die Wasserquellen nun meistens sehr weit von den Sheltern entfernt befinden, stoppte ich 1 Mi vor dem Shelter und genoss 1h den kühlen Wasserstrom. Nach dem ich alles mit Wasser aufgefüllt hatte, machte ich mich an den letzten Anstieg. Mein T-Shirt war während der Stunde am Creek getrocknet, aber nach diesem Bergauf war es so nass, als würde es gerade aus der Waschmaschine kommen. Zur Belohnung gab es heute keine Instantnudeln, sondern Kartoffelbrei mit flüssigem Käse untergerührt – sehr lecker.
Trailmeile: 1059.4

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Tag 79 12.6. Tumbling Run Shelter:
Nahezu alle schliefen noch als wir gegen 6:20 aufbrechen und nach 5 steinigen Meilen erreichen wir die Staatsgrenze zwischen Maryland und Pennsylvania, was gleichzeitig der Mason-Dixon Linie entspricht. Das ist die Trennlinie für den früheren Bürgerkrieg zwischen den alliierten Nordstaaten und den konföderierten Südstaaten. Nach dem wir nun den 6. Staat abhaken konnten, ging es weiter zur 2 Mi entfernten Straße um nach Waynesborro (ja hier gibt es auch ein Waynesborro) zu Hitch-Hiken. Nach dem wir 200 m Richtung Stadt gelaufen waren, hielt auch schon ein großer Jeep. Am Steuer saß Jim und er nahm uns mit zum Walmart, wo wir für die nächsten Tage unsere Vorräte aufstocken konnten. Zum Mittagessen nahm ich mir noch etwas von Subway mit, was es dann im Shelter geben sollte. Da unser Trailangel erst um 11 auf Arbeit erwartet wurde, brachte er uns sogar zurück auf den Weg. Das war mit Abstand der schnellste Boxenstop (45 min) den ich seit dem Start hatte. Die letzten 5 Mi zum Shelter waren verhältnismäßig gut zu laufen und um 12:30 hieß es für heute – Wanderschuhe ab in die Ecke. Es wäre sicherlich genügend Zeit gewesen um zum nächsten Shelter zu laufen, aber das lag zum einen abseits vom Trail und zum anderen war die Wasserquelle nochmal eine halbe Meile entfernt. Nach dem Sandwich zum Mittag konnten wir also entspannt ein nettes Mittagsschläfchen halten und mussten nicht bei 30 grad im Schatten uns die Seele aus dem Leib schwitzen. Der Nachmittag brachte außerdem ein richtig schönes Gewitter und hoffentlich fallen die Temperaturen über Nacht ein bisschen.
Trailmeile: 1072.6

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Tag 80 13.6. Birch Run Shelter:
Zum Frühstück gab es direkt einen schönen 800 Fuß Anstieg. Kurz vor dem Gipfel auf einer Stufe erschrak ich dann ein bisschen, denn da lag eine Klapperschlange. Sie war von irgendwas ziemlich hart in die Mangel genommen worden. Meine Vermutung- es war ein Nacht-Hiker, der auf die bewegungsunfähige Schlange getreten ist und damit getötet hat. Danach kamen ruhige, steinige Meilen bis zu einem Campingplatz. Die Ridgerunnerin, die gestern Abend noch spät ins Lager kam, verteilte dort leckere Muffins und Getränke. Somit gab es gegen 10 ein zweites leckeres Frühstück. Für den zweiten Teil des Tages standen dann noch weitere 10 Meilen auf dem Plan, die ziemlich unspektakulär verliefen. Da heute Samstag ist, sind viele Wochenendwanderer unterwegs, dazu zählte auch eine Gruppe Boyscouts. An solch schönen Wochenenden ist es dann manchmal schwierig sein normales Tempo zu laufen, da man ständig jemanden überholen oder den Gegenverkehr durchlassen muss. Ich kam trotzdem schon relativ zeitig im Shelter an, so dass ich noch eine Weile ausspannen konnte. Das war aber nach gut einer Stunde vorbei, da zwei Section-Hiker ins Shelter kamen, die bis zum Abend nicht mehr aufhörten zu reden 😉
Trailmeile: 1092.2

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Tag 81 14.6. James Fry Shelter:
Heute war es endlich soweit! Denn nach 80 Tagen auf dem Weg und gut 2 Mi kam ich gegen 7:10 am offiziellen Halbwegpunkt für dieses Jahr an. Von hieraus sind es genau 1094.6 Mi bis zum Kathadin und auch bis zum Springer Mt. Ab diesem Punkt habe ich mehr Meilen hinter mir, als noch vor mir liegen – geil, auch wenn es noch viele Tage dauern wird. Der erste Schritt dazu ist einfach weiterlaufen, jeden Tag – Schritt für Schritt weiterlaufen Richtung Norden bis kein White Blaze mehr zu finden ist. Zurück in die aktuelle Wirklichkeit, denn nach  2 Meilen kam erneut ein Halbwegpunkt. Wie ist das möglich? In den letzten Jahren wurde der Weg immer wieder verlegt, um mehr Serpentinen einzubauen, die den Trail einfacher machen sollen. Außerdem sind manche Abschnitte nur unzureichend genau vermessen, so dass es bei aktuelleren Messungen zu Abweichungen kommt. Nach 10 Mi kam ich am Pine Grove Generalstore an. Hier kam es dann zum Halfgallon Eis Challenge. Das heißt, man hat die Hälfte des Weges hinter sich gebracht und sollte auch eine halbe Gallone Eis (bedeutet 1.9l) schaffen. Um 9.50 begann für mich das Spektakel mit einem 1.5 l Behälter mit der Geschmacksrichtung Wildbeere. Silent Force bekämpfte zu diesem Zeitpunkt schon sein Minz-Schokoladen Eis. Während Silent Force als selbsternannter professioneller Eisesser das Eis ziemlich einfach runter schleckte, brauchte ich etwas länger. Nach den 1.5 l wechselte ich für die letzten 0.4 l die Geschmacksrichtung auf Vanille. Danach hätte man mich echt rollen können, aber es war nach 1:20 h geschafft. Nach einem Päuschen ging es zum AT Museum, wo es unter anderem ein Shelter zu sehen gab, dass vom aller ersten Durchwanderer Earl Shaffer gebaut wurde. Zum krönenden Abschluss gab es dann sogar eine Dusche, leider standen noch 7 Mi auf dem Plan und die Dusche war schon beim Aufsetzen des Rucksacks passe. Irgendwo passierte ich auch noch die 1100 Meilen Marke, aber das war heute nur nebensächlich.
Trailmeile: 1109.3

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Tag 82 15.6. Boiling Springs:
In der Nacht begann es kräftig zu gewittern und regnen. Heute früh trödelte daher jeder, denn der Himmel hatte seine Schleusen noch nicht geschlossen, aber irgendwann muss man einfach losgehen. Die Blätter waren schwer vom Wasser und ragten immer wieder in den Weg. Pennsylvania ist unter den Hikern berühmt berüchtigt für seine Steine. Die durfte ich heute zum ersten Mal ein bisschen beklettern. Nach 20 min und einer kurzen Verwirrung (an einer Stelle fehlte das White Blaze) war das auch schon wieder vorbei, aber es kommen ja noch ein paar Meilen 😉 Kurz danach kam ich an den historischen Halbwegpunkt, dem allerersten seit der Weg erschlossen wurde. Außerdem kündigte mir ein Schild das Cumberland Valley an. Die nächsten Meilen werden nicht im Wald verlaufen, sondern zwischen den Feldern des ländlichen Nordamerikas führen. Ich muss zugeben, so habe ich mir die USA manchmal vorgestellt, weite Felder und Farmen. Da heute wieder mal ein Besuch in der Stadt auf dem Weg liegt und unsere Sachen seit einer Woche keine Waschmaschine gesehen haben, ging es dann zum Allenberry Resort Inn. Hier ließ sich der Rest des Tages bei kühlen Getränken und Pizza gut genießen.
Trailmeile: 1121.3

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Tag 72 – 74 Front Royal bis Harpers Ferry

Tag 72 5.6. Dicks Dome Shelter:
Die Nacht war verhältnismäßig kurz, da wir gestern beide so ausgiebig dem Essen zugesprochen haben und nur 3 Mi auf dem Trail waren, konnte keiner so richtig einschlafen. Am Morgen hieß es dann wieder Kalorien fassen. Das Waffeleisen leistete hervorragende Dienste und so kam ich dann gut gesättigt auf den Trail. Das Wetter hatte sich seit gestern nicht verändert und so hieß es weiterhin wenig Sicht. Am ersten Shelter erneuerte die Trailcrew gerade das Dach, als wir einen kurzen Stopp einlegten. Hier gab es sogar eine Solardusche für den verschwitzten Hiker. Nach einer kleinen Plauderei ging es weiter bis zum Shelter, das an einem kleinen Flüsschen gelegen war. Ich hatte ein paar Bedenken wegen der Mücken, aber am Ende war alles kein Problem.
Trailmeile: 984.6
PS.: Ich habe dem letzten Beitrag (Tag 67) ein Video hinzugefügt 😉

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Tag 73 6.6. Blackburn Trailcenter:
Nach einer recht mückenfreien Nacht ging es los. Auf den ersten 9 Mi trafen wir zwar auf eine uns unbekannte Schlange, aber da die gerade mit Fressen beschäftigt war, hieß es für uns vorbei schleichen und weiter geht’s. Nach 9 Mi traf ich auf einen Abschnitt mit dem Namen Achterbahn. Das heißt Rucksack festzurren und auf den wilden Trip gehen. Auf den nächsten 13,5 Mi hieß es ziemlich sinnlos 10 mal 100 m hoch und wieder runter. Da das offensichtlich noch nicht genug ist, hat man den ganzen Trail schön steinig gemacht. Die Fahrt wurde nur durch eine kurze Mittagspause am Shelter (offizielle Trailmeile 999.9) unterbrochen. Dort saßen schon Cpt. Planet, Just Mike und Blupeblope. Bei ihnen war ein großer Hund. Das war ganz offensichtlich ein Traildog, also ein Hund der irgendwann mal hier ausgesetzt oder weggelaufen ist und seit dem auf Weg lebt und nur überlebt, weil Wanderer ihn füttern. Die drei liefen los und er trottete eine Weile hinter ihnen her, bis er umdrehte. Nach dem Essen hieß es also für mich über die 1000 Mi Marke springen – woohooo. Die Fahrt auf der restlichen Achterbahn war dann ziemlich langsam, so dass ich erst gegen 20:30 am Trailcenter eintraf. Das Center ist eine Art Unterkunft für Wanderer und die Freiwilligen, die den Trail pflegen. Obwohl ich so spät ankam, gab es sogar noch was zu essen für mich. Einfach super nach einem 26 Mi Tag!
Trailmeile: 1010.9

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Tag 74 7.6. Harpers Ferry:
Heute stand der emotionale Mittelpunkt auf dem Plan. Daher waren alle top motiviert. Es ging die letzten 12 Mi einfach gemütlich bergab. Bevor wir jedoch in die Stadt kamen, hieß es für uns Abschied nehmen. Nicht von einem Wanderer oder einer Person, sondern von Virginia. Dieser Staat hat uns so lange in Beschlag genommen und nun nach über 500 Mi endet er doch endlich. Er schenkte mir schönste Momente auf McAfee und Dragons Tooth, aber er verlangte auch alles ab und schickte den Kopf auf eine Achterbahnfahrt. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass die ersten 300 Mi zwischen Damascus und McAfee wenig Spaß gemacht haben, es hieß einfach nur Meilen schrubben. Es wurde besser und nun ist es hier vorbei und es geht nach West Virginia. Die letzten 2 Mi bis zum Abzweig zur Appalachian Trail Conservancy liefen sich wie von selbst. Da Sonntag war, gab es viele Tagesausflügler. Nach dem Abzweig in die Stadt hieß es sich noch durch eine große Gruppe Touristen schlängeln und dann war es geschafft. Die inoffizielle Hälfte war geschafft. Warum inoffiziell? Der richtige Meilenstein liegt 70 Mi weiter im Norden, aber für jeden Nobo (Northbounder also für die Leute, die nach Norden wandern) ist bereits hier anzukommen ein großes Highlight. Nach meiner Ankunft wurde das offizielle Halbzeitfoto gemacht und ich bin die Nr. 465, die in diesem Jahr Harpers Ferry erreicht hat und weiter Richtung Norden gehen will (zur Erinnerung, die Startnummer in Georgia war 720, wobei allerdings nicht alle Wanderer sich am Start registrierten). Beim Blick in alle Jahrbücher findet man immer wieder Leute, denen man über die Jahre auf ihrem Weg gefolgt ist (inkl. der Leute aus der Doku :-D) Es gab hier auch eine Waage und ich kann sagen, dass ich nicht abgenommen habe bisher. Silent Force dagegen hat bis jetzt schon 9 kg verloren. Nach einer Runde in der Hikerlounge nahm uns eine der Freiwilligen mit nach Charles Town. Hier heißt es jetzt – Halbzeitpause mit gleich zwei Zeros (ja ich weiß, wir sind faul ;-). Zu Essen gab es dann für den hungrigen Hiker ein leckeres Sandwich mit 40 cm Länge und als Nachtisch wieder einen halben Liter Eis – so geht ein super Tag zu Ende.
Trailmeile: 1022.7

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Tag 64 – 71 Waynesborro bis Front Royal

Tag 64 28.5. Zero Waynesborro:
Unser letzter Zero war vor etwas mehr als 200 Mi in Pearisburg, daher wurde es mal wieder Zeit, sich ein bisschen Ruhe und Entspannung zu gönnen. Nach einem guten Frühstück mit Waffeln, Sirup, Joghurt, Cornflakes und Orangensaft gab es aber noch ein bisschen zu tun. Wir wollten vor dem Mittagessen alles erledigt haben, damit wir nicht in der Mittagshitze durch die Stadt rennen müssen. Im Postamt gab ich meine Schuhe auf, die sich nun auf den Weg nach Hause machen. Es würde mich allerdings mal interessieren, ob der Drogenspürhund vom Zoll direkt umkippt, wenn er an meinem Päckchen schnüffelt. Danach ging es weiter in die Bibliothek, um ein neues altes Buch zu kaufen, denn morgen stehen nur 8 Mi auf dem Programm, um unsere Schuhe einzulaufen. Wir werden daher sehr zeitig unseren Tag beenden und ich bin mit meinem aktuellen Buch aus Pearisburg fast fertig. Zu guter letzt hieß es noch Essen für 2 Tage kaufen. Im nun folgenden Abschnitt, dem Shenandoha Nationalpark, gibt es viele Campingläden, daher müssen wir auf den nächsten 110 Mi nicht ganz so viel schleppen. Nach dem Mittagessen im Telgate Grill mit einem richtig guten Burger und Fritten konnten wir die Beine für den Rest des Tages in unserem Zimmer hochlegen. Am Abend gab es im Fernsehen dann den nationalen Buchstabierwettbewerb zu bestaunen, unter anderem mit den deutschen Wörtern: Sprachgefühl, Urgrund, Backfisch und Oflag. Die Kandidaten sind alle so zwischen 11 und 14 Jahre, schon sehr beeindruckend was sie so abgeliefert haben.
Trailmeile: 861.6

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Tag 65 29.5. Calf Mountain Shelter:
Nach einer guten Nacht gab es noch einmal Frühstück, bevor es in den Shenandoha Nationalpark ging. Der Park wurde zusammen mit dem Great Smoky Mountain Nationalpark 1926 auf Beschluss des Kongresses als zwei der ersten Nationalparks überhaupt gegründet. Im Tal windet sich der Shenandoha River bis nach Front Royal und über die Hügel führt der Skyline Drive den fußlahmen Besucher von einer Aussicht zur nächsten. Die Region ist bekannt für ihre Blaubeeren, leider sind wir für die ein bisschen zu zeitig. Dennoch gibt es hier zum Frühstück als Alternative zum Standardwaffelteig eine Variante mit Blaubeeren, sehr lecker. Um 9:00 ging es dann zurück auf den Weg. Wir registrierten uns am Eingang und schon ging es los mit der Achterbahn. Wir werden von nun an den Skyline Drive 86 mal überqueren müssen, um den Park komplett zu wandern. Nach einem für unsere Verhältnisse kurzen Tag, konnten wir unsere neuen Schuhe aufschnürren und nochmal ein bisschen länger relaxen. Zu diesem Zweck wollte ich es mir auf der oberen Etage gemütlich machen und eine Runde lesen. Als ich dann aber eine Spinne von der Größe eines Handtellers über mir sah, bewegte ich meine Sachen doch eher eine Etage tiefer. Da es hier wie in jedem Shelter auch Mäuse gibt, sind die Schlangen meistens auch nicht weit. 20 min nach der Begegnung mit der Spinne wand sich eine Schlange zwischen den Dachsparren, um ein gutes Abendessen zu finden. Na mal schauen was das für eine Nacht wird.
Trailmeile: 869.3

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Tag 66 30.5. Blackrock Hut:
Ich überlebte die Nacht unbeschadet, auch wenn ab und zu eine Spinne oder Ameise über meine Hand oder Gesicht laufen wollte. Heute sollte noch einmal ein kürzerer Tag werden. Zu unserer gewohnten Zeit ging es los und schon nach kurzer Zeit schwitzte ich aus jeder Pore. Hier im Park läuft sich der Trail wunderbar, denn es gibt sehr wenige Steine auf dem Weg und das Profil ist auch ganz gut. Leider gab es heute keine größeren Aussichten, sondern nur die kleinen, an denen man sich aber auch erfreuen kann. Wie z.B.: ein Teilstück, das wie ein blühender Tunnel aussieht. In unserer heutigen Unterkunft tummelte sich dann diesmal nicht der halbe Wald und wir konnten einen ruhigen Nachmittag genießen.
Trailmeile: 882.3

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Tag 67 31.5. Hightop Hut:
Heute sollte es laut Wettervorhersage mit 30 grad nocheinmal richtig warm werden, bevor es dann hoffentlich morgen ein bisschen abkühlt. Es ging in der Frühe los, nach dem uns ein Vogel ziemlich unsanft geweckt hatte. Da wir nicht ausreichend Nahrung für den ganzen Park mitgenommen hatten, ging es nach 7 Mi in den Campingladen (auch eine Limonade war dabei). Silent Force machte sich bereits auf den Weg, während ich noch ein bisschen die Pause genoss. Nach dem ich wieder zurück auf dem Trail war, sah ich kurz hinter einer Ecke Silent Force stehen wie er auf irgendwas schaute. Ich nahm die Stöcke hoch, da ich ja nicht wusste was los war und als ich bei ihm ankam, zeigte er auf die Klapperschlange und sagte: „Ich stehe hier schon seit 5 min und ich weiß nicht was ich machen soll, die Schlange bewegt sich nicht von der Stelle. Ich habe schon kleine Steinchen und Stöckchen geworfen.“ Es blieb nur eine Möglichkeit – außen rum gehen. Gesagt getan und alles war gut. 10 min später erlebte dieses Schauspiel eine erneute Aufführung, auch diesesmal klapperte die Schlange nicht. 30 min später stoppte Silent Force erneut 20 m vor mir und als ich dann komplett um die Ecke kam, sah ich auch warum. Ein Bär stand ca. 6-7 m entfernt und beobachtete uns. Silent Force erklärte mir dann, ein Junges wäre noch auf den Baum geklettert. Als das Junge wieder runter kam und die beiden ein Stück weitergezogen waren, konnten wir weiter gehen. Was war denn heute  los? Und es war noch nicht zu Ende, denn ungefähr 1h später blieb Silent Force erneut abrupt stehen. Das Schwanzende einer Klapperschlange ragte aus dem Gras in den Weg. Der Rest des Körpers war durch das hohe Gras verdeckt. Als wir uns ihr langsam näherten, begann sie zu klappern. Diese Schlange war deutlich „angepisst“. Also hieß es diesmal einen noch größeren Bogen schlagen. Am Ende ging alles gut und wir kamen sicher weiter. Der letzte Ausblick des Tages markierte gleichzeitig die 900 Mi Marke. In der Hut trafen wir dann noch Colombo, der gerade Pause machte. Er zeigte uns stolz ein Foto wie er eine Klapperschlange gefangen hat. Jetzt kann ich verstehen warum die Schlange vielleicht nicht ganz glücklich über unsere Anwesenheit war. Damit ging ein wirklich abwechslungsreicher Tag zu Ende.
Trailmeile: 903.7

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Tag 68 1.6. Rock Spring Hut:
In der Nacht regnete es seit langem mal wieder für eine längere Zeit. Am folgenden Morgen hatte Squeeze, der mit uns im Shelter geschlafen hatte, ein völlig zerstörtes T-Shirt, denn offensichtlich fand eine Maus das ganze ziemlich lecker. Nach 8 Mi überholte ich für kurze Zeit Silent Force. Kurz danach krachte es im Unterholz und ein Bär, ich schätze ein bis zwei Jahre alt, lief parallel zum Trail in Richtung Norden. Als ich weiterging, scheuchte ich ihn immer wieder auf, bis er irgendwann im tieferen im Wald verschwand. Heute gab es dann auch mal einen Versuch etwas zu verändern, denn gleich neben dem Weg gab es ein Campingplatz. Demnach gab es dort auch Wasser aus einem Hahn. Ich konnte also ohne Probleme heute mal ein warmes Mittagessen machen, was an einem so langen Tag schon ziemlich gut ist. Nach 2 Aussichten kam ich an einen Steilhang. Am Grund des Hangs sah ich einen ausgewachsenen Bären. Bei genauerem Hinschauen sah ich auch zwei kleine Jungbären, die ihrem Spieltrieb folgten und die Bäume rauf und runter kletterten. Neben dem zweiten Campingplatz stand dann noch ein Reh, das überhaupt nicht scheu war. Ich vermute, die Leute auf dem Platz haben den Rehen immer wieder Essen gegeben, so dass sie sich an den Menschen gewöhnt haben. Als ich am Shelter ankam, hörte man bereits das Grollen des Donners in der Ferne.
Trailmeile: 927.6

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Tag 69 2.6. Pass Mountain Hut:
In der Nacht gewitterte es heftig und auch am Morgen lies der Regen nur für einen kurzen Moment nach. Es hieß daher heute Nebelwandern und den ganzen Tag keine Aussichten. Das war heute natürlich schade, denn es gab heute tatsächlich eine Menge zu sehen (theoretisch). So hieß es, nass werden und durchziehen bis zur Hut. Dort gab es dann erstmal eine Runde Instantnudeln. Da aufgrund der Lage der Huts zueinander heute ein kurzer Tag war, blieb noch viel Zeit am Nachmittag übrig. Es gab für mich daher heute eine Premiere mit dem Krieger, dem Baum und noch anderen Stellungen. Na was meine ich? Genau wir haben Yoga gemacht und Captain Planet (das Mädchen auf dem Foto) hat uns unterrichtet. Für alle ein höchst unterhaltsame Abwechslung. Im Nationalpark gibt es auch keine Bear Cabel wie in Georgia, sondern Metallbäume, auf die man seinen Essenssack mit einer Stange aufhängt – ein lustiges kleines Spiel.
Trailmeile: 942.9

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Tag 70 3.6. Tom Floyd Wayside:
Das Aufstehen heute morgen früh war ziemlich schwer, denn es hat die ganze Nacht geregnet und die Aussicht auf 10 h Wanderung im Nassen ist auch nur wenig motivationsfördernd. Es half aber alles nix, irgendwann muss man raus aus dem warmen Schlafsack. Danach ging es so schnell wie möglich los, um sich aufzuwärmen. Das Wetter entsprach heute wieder einer Waschküche und verwehrte uns damit jeden Ausblick, den es eigentlich nochmal zum Abschluss des Shenandohas geben sollte. So hieß es einfach nur Meilen fressen und nach 24 Mi zurück in den Schlafsack. Morgen geht es nach kurzem Sprint hinein nach Front Royal, um mal wieder ordentlich zu trocknen.
Trailmeile: 966.5

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Tag 71 4.6. Front Royal:
Auch heute Nacht wollte es einfach nicht aufhören zu regnen. Silent Force hatte das „Glück“, direkt unter der undichten Stelle des Daches zu liegen, das heißt sein Schlafsack war am Morgen einfach nur nass. Das Aufstehen war demnach wieder nicht so lustig. Mit nassen Klamotten ging es dann in die kalte Dusche, aber zum Glück waren es nur 3 Mi bis zur Straße. Da Hitch-Hiken verboten war an dieser Straße, ging es zu Fuß dann Richtung Stadt. Zum Glück hielt trotzdem jemand an und nahm uns mit zum Postamt. Dort wartete meine Bounce-Box auf mich, die von hier aus ihren weiteren Weg nach Norden nimmt. Danach ging es weiter zum Quality Inn, wo es nach 7 Tagen endlich mal wieder eine Dusche und auch saubere Sachen gab. Hier in Front Royal gibt es eine historische Altstadt. Das bedeutet aber nicht wie in Deutschland z.B. ein Stadtviertel aus dem Mittelalter oder ähnliches sondern ein Teil der Stadt der ca. 200 Jahre alt ist. Leider ist ein Stadtbesuch im Regen auch nicht gerade prickelnd und so ging es nur zum Essen. Zum Nachtisch ging es dann noch in eine kleine idyllische Eisdiele, denn wir wollten ja noch den Blaubeermilchshake testen und ich kann nur sagen-super lecker.
Trailmeile: 969.4

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