Tag 58 – 63 Daleville bis Waynesborro

Tag 58 21.5. Bobblets Gap Shelter: Der Morgen lud uns heute nicht besonders zum Wandern ein, denn es war kalt (12 grad) und es sollte den ganzen Tag regnen. Da kommt man schnell mal in Versuchung das gute Motelzimmer um eine Nacht zu verlängern. Schweren Herzens machten wir uns auf den Weg und nach 10 min begann es auch schon zu tröpfeln. Durch das Blätterdach einigermaßen geschützt ging es trotzdem weiter. Der Weg war heute in einem guten Zustand, so dass wir schnell voran kamen und gegen Mittag hörte sogar der Regen auf. Wir trafen dann im weiteren Verlauf auf den Blue Ridge Parkway (im Shenandoha Nationalpark Skyline Drive), einer Straße, die die Autofahrer an die besten Aussichten führt. Kurz vor dem Shelter löste sich mein rechter Schuh ein wenig mehr auf, indem eine der Schnallen ausgerissen ist. Das heißt, nun brauche ich ein neues Paar. Die Schnalle hielt nämlich die Schnürung genau im Übergang von Spann und Bein, so dass beim bergab laufen der Fuß nicht nach vorne rutscht und der große Zeh anfängt zu drücken. Wir werden sehen wie das meinen Zehen bekommen wird. Trailmeile: 746.3 image image image Tag 59 22.5. Cornelius Creek Shelter: Heute standen zwei lange Anstiege mit mehr als 1000 und 2000 Fuß an. Das alles passierte jedoch alles wieder mal im grünen Tunnel. Ich gehe daher mal kurz auf meine Erfahrung mit meiner Ausrüstung ein. Mein Rucksack ist definitiv zu groß, ein 46 l würde absolut reichen, da man jetzt weiß, wie man packen muss und der überflüssige Kram zum größten Teil raus ist. Der Schlafsack ist absolut super, denn in den ersten Wochen war es ja doch recht kalt und er hielt mich immer schön warm. Die Temperaturen werden nachts vielleicht noch ein bisschen klettern, aber bis jetzt habe ich mich noch nicht totgeschwitzt. Die Isomatte ist auch absolut ok, das Knistern soll wohl beim aktuellen Modell weniger sein, aber das stört mich eigentlich recht wenig. Der Filter ist recht kompakt, aber auch ziemlich langsam und daher würde ich beim nächsten Mal wahrscheinlich auf die normale Variante umsteigen. Der ganze Rest ist absolut ok und würde ich im Moment genauso wieder mitnehmen. Am Abend stellten wir fest das Freitag und damit Memorial Day Wochenende ist, das heißt es wird sehr voll rund um unser Shelter. Die guten Leute sägten den halben Wald um für ihr Lagerfeuer und es war wirklich witzig mit anzusehen, wie Leute mit immer größeren Rucksäcken ins Lager kamen. Trailmeile: 764.7 image Tag 60 23.5. Johns Hollow Shelter: Da Memorial Day Wochenende ist, stehen um unser Shelter viele Zelten von Section Hikern die für 2-3 Tag hier draußen sind. Memorial Day ist immer der letzte Montag im Mai und ist ein Feiertag, bei dem der toten Angehörigen gedacht wird. Es ist aber gleichzeitig inoffizieller Sommeranfang und viele Leute fahren einfach mit den Freunden ins Grüne. Mich störte das alles in der letzten Nacht herzlich wenig. Am Morgen ging es wie gewohnt zeitig raus und zurück auf den Weg. Nach einem kurzen Anstieg gab es eine kleine Trailmagic mit Wasser und Banane und nach ein paar weiteren Meilen kamen wir auf dem Gipfel an und dort gab es dann ein nettes Zusammentreffen mit der Guillotine. Morgen findet hier auf dem Gipfel ein großes Hikeressen statt, von dem wir leider erst zu spät erfahren haben. Den Rest des Tages ging es bergab zum Jason River. Auf dem Weg dahin, kamen mir viele Ausflügler entgegen. Einer von ihnen war Mat aus Wisconsin. Er war für 4 Tage unterwegs und hatte eine Machete (so lang wie mein Arm) und ein Messer wie Rambo mit. Damit könnte er es wirklich mit jedem Tier hier draußen aufnehmen. Es ging dann über die längste Fußgängerbrücke des ganzen Weges, um den Fluss zu überwinden. Kurz danach erreichte ich das Shelter, das in einem kleinen Tal mit Flüsschen liegt. Ich hoffe die Mücken fressen uns nicht auf. Trailmeile: 786.3 image image image Tag 61 24.5. Buena Vista: Heute gab es nach dem Frühstück einen 2500 Feet Anstieg. Es ist dabei egal wie kalt es war, spätestens nach 10 min ist man durchgeschwitzt. Nach gut 3h gab es dann endlich die Gipfelaussicht. Dort trafen wir die Ridgerunnerin für diesen Abschnitt und sie erzählte uns, dass sie vor kurzem hier einen Bären gesehen hat. Beim Abstieg gab es dann aber leider keine Bärensichtung durch uns. Wir wollten zunächst bis zu einem Shelter kurz vor der Straße laufen und morgen einen gemütlichen Tagen verleben. Da es aber erst 15:30 war, entschieden wir in die Stadt zu fahren und morgen wieder zurück auf den Trail zu gehen, da wir in 2 Tagen in Waynesborro einen Zero einlegen wollen. Also die letzte Meile zur Straße und in die Stadt hinein. Im Budget Inn gab es leider keine Doppelzimmer mehr. Also teilten wir uns ein Einzelzimmer mit Kingsizebett. Der Burger King gegenüber lieferte uns dann noch ein leckeres Abendessen. Für die Sachen gab es allerdings keine Runde in der Waschmaschine. Trailmeile: 806.4 image image image Tag 62 25.5. The Priest Shelter: Nach dem Aufstehen hieß es für uns heute in die ungwaschenen Klamotten springen und los. Das war tatsächlich einer dieser Momente, wo man feststellen muss, wie hart man eigentlich stinkt, um es mal salopp auszudrücken. Es muss echt hart für andere Leute rund um uns sein, unseren Geruch zu ertragen. Aber na ja was will man machen? Nach 5 min auf dem Trail und im ersten morgendlichen Berganstieg fiel mir das nicht mehr auf. Nachdem ich dann auf dem Gipfel ankam, ging es direkt wieder einige Höhenmeter bergab und bergauf. Danach war der Trail super zu laufen – äußerst wenig Steine, kaum Höhenmeter und durch den frischen Wind auch nicht ganz so stickig. Kurz vor dem Shelter hieß es dann noch nochmal Schwitzen um die letzten Meter bergauf zu bewältigen. Am abendlichen Lagerfeuer fragte uns dann Miles (Thru Hikern die jeden Tag 30 Mi und mehr macht) ob wir die Trailmagic mitgemacht haben. Nein hatten wir nicht und es gab Eis bei der Trailmagic. Wir waren einfach zu zeitig wieder einmal :-(. Trailmeile: 827.0 image image image image Tag 63 26.5. Paul C. Wolfe Shelter: Der heutige Tag war geprägt von einer Entscheidung, die im Laufe des Tages fallen musste, entweder 22 Mi und Zelt aufstellen oder 29 Mi bis zum Shelter und morgen nur noch 5 Mi in die Stadt. Zunächst ging es aber erstmal los mit 5 Mi bergab (von über 4000 auf unter 1000 ft) gefolgt von einem Anstieg in der gleichen Länge und Höhe. Daher gab es dann um 13:00 eine ausgiebige Pause am Shelter. Zwei Section Hiker waren schon da und warnten mich, dass auf dem Weg zur Wasserquelle eine Klapperschlange auf mich wartet. Als ich dann um die Ecke des Shelters ging, sah ich sie auch schon. Ich war zu diesem Zeitpunkt ziemlich durstig und brauchte dringend Wasser, also musste ich mir einen anderen Weg zum Wasser suchen. Da die Schlange sich in direkter Nähe zum Shelter schlängelte, nahm ich mein Essen sicherheitshalber innerhalb der Hütte ein, denn man weiß ja nie, was ihr auf einmal so einfällt. Dem Logbuch entnahm ich, dass Silent Force sich für das Shelter entschieden hatte. Demnach würde es ein langer Tag werden. Bis zum letzten Berg wurde es noch einmal richtig steinig. Ich wuchtete mich dann gegen 18:00 auf die Spitze des Humpback Mt.. Meine Stöcke klapperten auf den Steinen und ich kam um eine Ecke. Da kam auf einmal ein Bär aus dem Unterholz gesprungen, rannte ein Stück auf dem AT in nördlicher Richtung, sprang über eine flache Feldsteinmauer in den bodennahen Farn. Von dort aus beobachtete er mich. Ich ging dann entlang der Mauer und der Bär ging seiner Wege. Silent Force erzählte mir später, dass wahrscheinlich der gleiche Bär ihm eine halbe Meile auf dem Weg gefolgt sei und er sich weder durch rufen noch die Pfeife beeindrucken ließ. 5 min nach meiner Begegnung krachte es erneut im Unterholz und ein Reh fühlte sich von mir aufgeschreckt. Kurz vor dem Shelter stand dann ein Reh 5 m von mir entfernt und war völlig ruhig. Nach einem langen Tag erreichte ich um 20:15 dann endlich das Shelter. In den letzten 2 h des Tages hatte ich dabei mehr Tiere zu Gesicht bekommen, als an mehreren Tagen zusammen. Trailmeile: 856.6 image image image image image image Tag 64 27.5. Waynesborro: Nach einer Nacht mit doch ein wenig schmerzenden Füßen standen heute nur 5 Mi auf dem Plan. Als ich mir meine feuchten Schuhe anziehen wollte, war einer der Schnürsenkel zerrissen. Wie das passieren konnte? Dafür gab es nur zwei Theorien – entweder er ist gestern beim Wandern/Aufschnürren kaputt gegangen oder Mäuse haben sich in der Nacht daran zu schaffen gemacht. Wie dem auch sei, die 5 Mi musste es noch irgendwie gehen. Als wir dann nach  2h im Rockfish Gap ankamen, hatten die Schuhe es hinter sich und konnten nach 1380 km ihren Dienst endgültig quittieren. Im Outdoorladen gab es dann ein neues Paar. Ich hoffe das die mindestens genauso lange durchhalten. Im Quality Inn hieß es dann erstmal Dreck abspachteln und im Pizza Hut eine Menge Kalorien zu sich nehmen. Die meisten Kalorien kann man sich ganz einfach im Ming Garden Buffet einem chinesischen All You Can Eat Buffet holen. Morgen werden wir uns nach Pearisburg wieder mal einen wohlverdienten Zero gönnen bevor es dann in den Shenandoha Nationalpark geht. Trailmeile: 861.6 image image image image

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Tag 52 – 57 Pearisburg bis Daleville

Tag 52 15.5. Zero Pearisburg: An einem Zero gibt es bei mir sehr häufig einfach Müsli mit frischer Milch. Die kommt hier direkt aus dem 1 Gallonen Kanister (3.9 l). Da das Wifi hier sehr gerne zusammen bricht, bin ich den ganzen Morgen damit beschäftigt, die Bilder für den Beitrag immer wieder hochzuladen. Der Höhepunkt des Nachmittags besteht aus einem (bitte nicht böse verstehen) Alte-Leute-Bad. Das heißt wir haben in der Apotheke Epsom-Salz, ein Badesalz, gekauft. Es soll den Körper entgiften und den Muskeln Magnesium zurück geben. Ich habe keine Ahnung ob es wirklich hilft. Ansonsten passierte nicht viel außer im Fernsehen zu zappen. Trailmeile: 634.9

Tag 53 16.5. Pine Swamp Branch Shelter: Nach einer letzten Dusche am Morgen ging es durch die Stadt zurück zum Weg. Der Trail war zunächst ziemlich zugewachsen und am ersten Anstieg begann das Schwitzen. Die Temperaturen waren mit 27 grad und einer hohen Luftfeuchtigkeit nicht besonders angenehm. Die ganzen nächsten Tage soll es nun so bleiben und zu guter Schluss dann am Ende des Tages immer gewittern. Daher hieß es – nicht lange Schlafen und hurtig hurtig zum Shelter. Es ging wieder durch den grünen Tunnel inkl. einer zünftigen Fußmassage durch den Trail. 20 min nach Ankunft im Shelter fing der Regen auch an und hörte bis zum Morgen nicht mehr auf. Da das Shelter sich durch den Regen schnell mit Hikern füllte, schlief ich mit Oropax. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass weniger Wanderer auf dem Weg unterwegs sind, da viele zurück nach Damascus zu den Traildays gefahren sind. Aber das war dann wohl doch eher falsch. Trailmeile: 654.4

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Tag 54 17.5. Laurel Creek Shelter: Am heutigen Tag gab es nichts besonderes außer 2 Anstiegen, mehreren steinigen Abschnitten und einer kleiner Aussicht. Es hieß grüner Tunnel und Meilen fressen. Was macht man dann? Für Jemanden der normalerweise die ganze Zeit über irgend etwas nachdenkt, sei es Studium oder auf Arbeit, den ganzen Tag eingespannt ist, der hat hier draußen jeden Tag 8-10 h Zeit für den Kopf. Bei mir gehen morgens meistens 2-3 h für einen Ohrwurm drauf. Danach bekomme ich langsam Hunger und esse im Laufen eine Kleinigkeit. Danach fliegen die Gedanken meistens durch die Gegend (Themen: Kathadin, Essen, „Man heute ist es wieder ganz schön heiß“, Studium, Familie, „Was könnte ich jetzt sonst alles so tun?“), wenn der Weg nicht gerade meine Aufmerksamkeit fordert. Meistens kriegt man dann wieder mal einen Ast gegen den Kopf, der einen wieder in die Realität zurückholt. So vergehen die Stunden für mich im Moment, wenn es nichts zu sehen gibt. Trailmeile: 672.9

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Tag 55 18.5. Pickle Branch Shelter: Am  Morgen endet der Regen der vergangenen Nacht wieder pünktlich bevor wir aufstehen. Es ist wie in den letzten Tagen warm (25 grad um 7:00) bei einer hohen Luftfeuchtigkeit (>70%). Vor dem ersten Anstieg trafen wie auf einen Mammutbaum, den Keffer Oak. Er ist über 300 Jahre alt und hat mit 5.4 m einen ordentlichen Umfang. Danach begann das richtige Schwitzen. Silent Force schwitzt irgendwie so stark, dass es die Beine runterläuft und seine Trailrunner komplett nass sind. So schlimm ist es bei mir zum Glück nicht ganz, aber es reicht zu mindestens, dass es die Unterarme herunter läuft. Sobald man stehen bleibt, ist man von einer Wolke aus Fliegen und Mücken umgeben. Beim Laufen fliegen kleinere Geschöpfe in der Größe von Essigfliegen vor meinen Augen und wenn man nicht aufpasst, hat man sie schnell auch mal darin. Am heutigen Tag gibt es auch einen kleinen Abschnitt bei dem man nicht unbedingt hinfallen sollte, da es ansonten eine Achterbahnfahrt auf der steilen Steinplatte nach unten gibt. Kurz vor dem Shelter erwischte mich dann auch noch der Regenschauer, aber das war nicht schlimm, denn noch feuchter konnten meine Sachen nicht mehr werden. Trailmeile: 695.4

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Tag 56 19.5. Catawba Mt. Shelter: Da ich gestern im Regen angekommen bin und über Nacht aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit nichts getrocknet ist, gab es heute früh wieder feuchte Klamotten zum Aufstehen. Es ist nicht ganz so schlimm wie in den Smokys, denn zum Glück sind wenigstens die Temperaturen ein bisschen höher als damals. Nach dem Frühstück ging es in den ersten steinigen Anstieg hinauf auf den Dragons Tooth (Drachenzahn). Hier gab es endlich mal eine richtig gute Aussicht. Nach vielen Tagen im Tunnel war das auch mal dringend notwendig. Danach gab es auch eine gute Klettereinlage, um dem Weg nach unten zu folgen. Irgendwann in dieser Zeit überschritten wir auch die 700 Mi Marke, aber es gab zunächst leider kein Zeichen. Später gab es dann doch einen kleinen Hinweis, den wir gerne mitgenommen haben. Den ganzen Tag brannte wieder die Sonne vom Himmel, aber die Luftfeuchtigkeit sank beständig den ganzen Tag über. Nach 14 Mi. war für uns heute Schluss, da wir morgen auf Hinweis von Breakless den Sonnenaufgang vom McAffes Knob bewundern möchten. Durch die geringe Feuchtigkeit haben wir es dann tatsächlich geschafft, unsere Sachen, die seit 4 Tagen feucht sind, mal wieder zu trocknen. Damit gibt es morgen endlich mal wieder trockene, stinkende Sachen zum Anziehen – Juhuuuuu 😉 Trailmeile: 710.0

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Tag 57 20.5. Daleville: Da Breakless uns den Tipp mit dem Sonnenaufgang gegeben hat, hieß es für uns um 4 aufstehen und eine halbe Stunde später ging es auch schon los. Mit leerem Magen ging es auf die letzten 2 Mi und mit der Stirnlampe erreichten wir dann auch tatsächlich McAffes Knob gegen 5:15. Nun gab es auch etwas zum Frühstück und einen großartigen Aufgang dazu, denn in den letzten Tagen war dieser aufgrund der Regenwolken bestimmt nicht so schön. Leider kam kurz vor dem eigentlichen Sonnenaufgang ein Fotograf inkl. Hikermodell. Der startete dann zu guter Schluss auch noch eine Drohne, um die besten Aufnahmen zu machen. Damit war es eher ein lauter Morgen. Nach dem wir dann losgegangen waren, gab es am Tinkers Cliff nochmal einen schönen Ausblick zurück auf McAffes. Das entschädigte für die Mühen der letzten Tage doch ganz schön. In der Stadt gab es dann lecker Burger und Fritten (ja ich weiß-mal wieder, aber sie schmecken halt gut) und natürlich auch das restliche Standardprogramm für Hiker. Am Ende gab es dann endlich neue Spitzen für meine Wanderstöcke, denn das war langsam wirklich nervig. Trailmeile: 727.8

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Tag 46 – 51 Marion bis Pearisburg

Tag 46   09.05. Chatfield Memorial Shelter: Da wir uns gestern noch bis zum Partnership Shelter durchgeschwitzt hatten, konnten wir heute etwas länger schlafen. Da Wochenende war, gab es leider keine Busverbindung in die Stadt. Während wir versuchten zu Hitch-Hiken wurde im gegenüberliegenden Besucherzentrum die Flagge gehisst. Silent Force erklärte mir, es gäbe viele Regeln was die Fahne betrifft. So muss sie gefaltet immer ein gleichschenkliges Dreieck ergeben und dabei dürfen keine rot-weißen Streifen mehr zu sehen sein, sondern nur Sterne. Abends muss die Flagge immer eingeholt werden, es sei denn, sie wird angestrahlt, sprich die Fahne darf nicht im Dunkeln flattern. Die US-Flagge muss auch immer am höchsten oder auf gleicher Höhe mit anderen Fahnen hängen. Außer im Bundesstaat Texas. Da darf die texanische Flagge höher hängen (diese Info stammt allerdings nicht von Silent Force sondern von einem Freund der ein Jahr in El Paso Texas verbracht hat). Das Trampen war leider am Ende nicht von Erfolg gekrönt, obwohl wir diesmal gar nicht so schlimm gerochen haben, aber das lässt sich beim vorbeifahren ja auch schlecht beurteilen. Am Ende nahm uns ein Shuttle mit nach Marion. Es ging nach dem Einkauf im Walmart in den McDonalds, wo wir Fiddel Head trafen. Sie hatten in einer anderen Stadt einen Priester gefragt, ob sie eine Fahrt nach Marion kriegen könnten und er hat ihnen kurzerhand das ganze Auto gegeben mit dem Spruch: „Don’t Drink and drive!“ Sie wollten uns in ein paar Stunden zurück zum Trail fahren. Wir aßen also in Ruhe, luden unsere Handys auf und surften ein wenig im Internet. Zurück auf dem Weg ging es mit unserem extra schweren Rucksack bei 27 grad 6 Mi die Berge rauf und runter. Mir hat irgendjemand mal gesagt in Virginia wäre es ziemlich flach und der Trail ohne Wurzeln oder Steine, davon habe ich bisher allerdings noch nicht viel gemerkt. Was ich allerdings am Abend bemerkte, gefiel mir weniger. Bei meinem linken Wanderstock war die Metallspitze nach innen gedrückt , so dass ich ihn nur noch mit der umgebenden Plastikummantelung auf dem Boden nutzen kann (sprich sie ist kaputt und ich brauch eine neue) Trailmeile: 538.6 image image image Tag 47   10.05. Knot Maul Branch Shelter: Unser Shelter stand an einem kleinen Bach, so dass man die ganze Nacht das Gefühl hatte, es würde regnen. Aber tatsächlich war es bereits früh um 6 schon ordentlich warm. Wir schlüpften schnell in unsere Sachen und machten uns auf die Socken. Nach 1h kam ich an eine alte Schule von 1900. Dort wartete die erste Trailmagic des Tages auf uns in Form von Pepsi, Dosenmandarinen und kleinem Krimskram. Die US Flagge an der Wand zeigte übrigens 44 Sterne und Georg Washington wachte über den brütenden Schülern. Nach dieser kurzen Stärkung ging es weiter, unter anderem über ein paar Bahnschienen. Was in Deutschland durch einen ordentlichen Bahnübergang möglichst noch beschrankt  ist, muss man hier einfach über das Gleisbett klettern. Das ist aber auch nicht so schlimm, da die Frachtzüge hier aufgrund der schlechten Infrastruktur sehr langsam fahren (ca. 50 km/h). Diese sind dann aber auch länger, z.B. musste Silent Force mehr als 1h warten, weil ein Zug mit 343 Waggons langsam an ihm vorbei kroch. Aber zurück zum Trail. Da die Bäume inzwischen langsam Blätter haben, gibt es auch genügend Schatten. Das hielt die Sonne aber nicht davon ab, uns ordentlich einzuheizen. Auf einem der Berge wartete dann noch die Marke für das erste geschaffte Viertel des Weges. Zum Glück gab es heute auch noch eine zweite Trailmagic mit Cola und geschmierten Broten und was war darauf? – Erdnussbutter und Marmelade. Diese Kombination die bei uns ja eher für befremden sorgen würde, ist hier ganz normal und viele Kinder nehmen sie mit in die Schule. Danach gab es den letzten Anstieg und dann gab es einen ruhigen Nachmittag am Shelter. Trailmeile: 557.1 image image image image Tag 48   11.05. Jenkins Shelter: Wir stehen inzwischen immer zeitiger auf, denn hier im Wald bestimmt die Sonne den Tagesablauf. Heute standen nochmal Anstiege mit insgesamt 1000 Höhenmeter an. Diese erstreckten sich zum Glück auf die ersten 10 Mi, denn als wir nach dieser Distanz am ersten Shelter ankamen zeigte das Thermometer bereits gemütliche 30 grad. Auf unserer Nachmittagsstrecke wurde es also heiß, wobei keine Wasserquelle mehr verfügbar war. Am Ende gewannen wir die Hitzeschlacht, wenn auch knapp und mit dem Verlust meiner zweiten Spitze des rechten Wanderstocks. Rabbit Stick (ein erfahrener PCT Hiker) hatte eine Thermometer an seinem Rucksack und erzählte uns dann am Shelter, dass wir heute 100 grad Fahrenheit (37 grad Celsius) hatten. Ich hoffe das die Wetterprognose zutrifft und es heute Nacht kräftig regnet, damit die Temperaturen nicht ganz so hoch sind, denn morgen wird ein längerer Tag und heute war ein wirklich mieser Tag. PCT bedeutet Pacific Crest Trail und ist ein 4600 km langer Fernwanderweg von der mexikanischen bis zur kanadischen Grenze. Er durchquert dabei an der Westküste mit der Wüste (Mojave) und Schneefeldern (High Sierra) insgesamt 4 Bundesstaaten. Trailmeile: 577.1 image image Tag 49   12.05. Jenny Knob Shelter: In der Nacht regnete es leider nicht. Aber die Temperaturen waren früh um 6 doch noch ein bisschen besser als gestern. Da für heute 25 Mi auf dem Programm standen, wollte ich keine Ewigkeit in der Mittagssonne verbringen. Das Profil war super flach und der Wind und die Temperaturen äußerst hiker- freundlich. Als ich mal wieder um eine Ecke kam, standen am Hang 6 Weißwedelhirsche. Da sie  genauso wie ich, nicht auf dieses Zusammentreffen vorbereitet waren, keifte mich ein Hirsch an, bevor sie alle von dannen sprangen. An der ersten Straße gab es dann erste Trailmagic zum Genießen und zwar in Form einer Banane und Poweraid (Getränk) und an der zweiten Straße eine Dose Cola. Warum gibt es aktuell so viel Trailmagic? Am Wochenende findet in Damascus mit den Traildays das größte Fest am Weg statt. Da viele der früheren Hiker sich schon eher dorthin auf den Weg machen,  halten sie einfach meistens noch einmal kurz am AT und machen den Wanderern eine kleine Freude oder nehmen sie mit in die nächste Stadt. Kurz vor dem Shelter sind wir dann noch eben über die 600 Mi Marke gesprungen, aber ansonsten gab es bis auf zwei kurze Blicke in die umliegenden Täler nichts zu sehen außer Wald. Trailmeile: 602.1 image image image Tag 50   13.05. Docs Knob Shelter: Heute sollte es noch einmal 24 Mi zu einem Shelter in Schlagdistanz zu Pearisburg gehen. Noch bevor ich zurück auf dem Trail war, stand ein Weißwedelhirsch auf dem Weg. Das gute Tier sah mich und sprang dann sofort weg. Der Tag zog sich heute wie Kaugummi und das der Weg heute ziemlich steinig war, verbesserte die Situation nicht wirklich. In einem dichten Wald aus Rhododendren kam ich zu einer Kreuzung. Ich wusste nicht direkt wo der Weg weiter verläuft und drehte mich einmal im Kreis. Als ich dann zwei Wege mit dem White Blaze sah, war ich mir nicht mehr absolut sicher aus welcher Richtung ich genau kam. In einer solchen Situationen hilft die Faustformel, dass die Sonne (es war etwa gegen 10:00) sich entweder rechts oder im Nacken befinden sollte. Es ging also weiter, auch wenn man sich nie ganz sicher sein kann. Als ich dann später einen anderen Wanderer traf, der in der gleichen Richtung unterwegs war wie ich, konnte ich mir sicher sein das ich richtig lag.  Am einzigen Ausblick des Tages gab es für mich dann einen letzten Snack bevor ich am Shelter ankam. Ich muss ehrlich sagen das der Weg heute echt schwer zu laufen war, denn die vielen Steine malträtierten die Fußsohlen und die Wanderstöcke waren keine Hilfe, da die abgebrochenen Spitzen (nur noch aus Plastik) inzwischen rund gelutscht waren. Trailmeile: 626.1 image image image Tag 51   14.05. Pearisburg: Die Nacht war kurz und ziemlich frischlich. Nichts desto trotz waren heute noch 8 Mi zu bewältigen, um in die Stadt und damit zu unserem Nero/Zero zu gelangen. Es gab sogar zwei Ausblicke zum Genießen. Die letzten 2 Mi ging es dann 2000 Fuß nach unten, was aufgrund der schlecht nutzbaren Wanderstöcke nicht einfach war. In Pearisburg konnten wir dann endlich mal wieder unsere Sachen waschen. Meine Socken hatten ihren letzten Schleudergang in Damascus, ich könnte sie also ohne Probleme in eine Ecke stellen. Nach einer Dusche, einem Besuch im Supermarkt stand das Abendessen an. Zusammen mit Nurse ging es zu einem All You Can Eat Buffet beim Chinesischen Restaurant gegenüber. Sie hatten alles was sich das Herz vorstellen kann, gebackenes Hühnchen, Sushi, Salate, Eis und sogar als Dessert Schweinsöhrchen (leider nicht ganz so gut wie zu Hause aber dennoch lecker). Danach hieß es nur noch Beine hochlegen und relaxen. Trailmeile: 634.9 image image image

Tag 42 – 45 Damascus bis Marion

Tag 42 5.5. Zero Damascus:
Ein Zero beginnt immer mit einem ausgiebigen Frühstück, mit Waffeln, Orangensaft und Schokolade. Im benachbarten K-Markt konnte ich für 25$ dann eine Frogg Togg Kombi (ultraleichte Regenjacke und -hose) erstehen. Danach hingen wir unsere Sachen auf eine Leine. Silent Force hatte eine Gallone (ca. 3.9 l) eines Antizeckenmittels bestellt und das galt es jetzt aufzusprühen. In nächster Zeit werden die Zeckenaktivitäten wahrscheinlich zunehmen. Nach dem die Sachen trocken und ausgelüftet waren, konnten wir uns zum Mittagessen ins Pizza-Hut zum All You Can Eat einfinden. Der Nachmittag war dann für mich frei und ich lag mal einfach nur auf einem Bett ohne irgendwas zu tun. Am Abend teilte Lightning Bold uns seine Entscheidung mit, dass er einen weiteren Zero nehmen wollte. Also werden Silent Force und ich alleine losstiefeln.
Trailmeile: 469.1

Tag 43 6.5. Lost Mt. Shelter:
Nach einer guten Nacht in einem Bett gab es noch einmal Waffeln, bevor uns unser Shuttle zurück nach Damascus brachte. Dort ging es erstmal zum Postamt um die Bounce-Box aufzugeben. Bounce-Box bedeutet das ich sie postlagernd vor schicke und wenn ich das Paket nicht öffne kann ich es kostenlos zur nächsten Poststation weiterschicken. Das Paket enthält meine Winterausrüstung bestehend aus meiner Jack Wolfskin Jacke, Regenhosen, Tasse (Swiss Miss kommt erst im hohen Norden wieder ins Programm), meine Packriemen und ein Packsack (insgesamt 2.25 kg weniger und ich habe jetzt durch ein bisschen Umpacken passt das Zelt jetzt in den Rucksack). Um 9:30 verließ ich Damascus bei guten 23 grad. Den ganzen Tag ging wie sau bergauf und bergab. Man konnte gar nicht so schnell trinken wie man es wieder ausgeschwitzt hat. Nach kurzer Zeit kam man an eine Gabelung mit dem Hinweis auf eine Umleitung, da eine Brücke weggespült war. Mein Companion lieferte die Zusatzinformation das der Weg nicht geschlossen ist, sondern die Umleitung für Hochwasser gedacht sei. Daher ging ich zunächst zum Flüsschen (in den letzten Tagen hat es ja zum Glück mal nicht geregnet). Es war kein hoher Wasserstand und da in den Neuenglandstaaten Flussdurchquerungen normal sind,  warum sollte man das nicht auch hier machen. Schuhe aus- und Crocks anziehen, durch den Fluss und fertig. Zeitweise verlief der AT auf dem Virginia Creeper Trail. Das ist ein Fahrradweg 34 Mi. von White Top Mt. nach Abingdon. Damascus liegt dabei genau auf der Hälfte. Die Leute lassen sich mit ihrem Bike dann von Damascus auf den Berg chauffieren und rollen dann ganz einfach 17 Mi bergab. Kurz nach Ankunft im Shelter begann es dann auch zu Gewittern.
Trailmeile: 484.9

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Tag 44 7.5. Wise Shelter:
Der Tag begann wie jeden Morgen zeitig und nach dem üblichen Frühstück ging es los. Silent Force war heute 5 min vor mir losgelaufen. Ich bemerkte nur das dafür das Silent Force kurz vor mir hier lang gekommen ist ziemlich viele Spinnenfäden in meinem Gesicht landeten. Nach 1.2 Mi kam ich an eine Straße die mir verdammt bekannt vorkam, also Reiseführer raus und ja in Richtung Norden und in Richtung Süden war jeweils im gleichen Abstand vom Shelter aus gesehen ein Straße aufgegeführt. Hmmm was nun? Die Wahrscheinlichkeit das eine Straße einem so gleich hier draußen vorkommt ist schon eher gering, also ging ich die Strecke zurück zum Shelter und ja ich bin am morgen einfach in die falsche Richtung gelaufen. Ich hatte auch schon von Leuten gehört denen es erst deutlich später auffiel, von daher war ich mit meinen 2.4 Mi Morgensport gut bedient. Wie das passieren konnte? Vom Shelter aus gesehen sahen beide Wege einfach gleich aus  und meine Erinnerung von wo ich gekommen war hat mich einfach getäuscht. Wieder Richtung Norden unterwegs bestieg ich mit dem White Top Mt. und dem Mt. Rogers den zweit- und den höchsten Berg Virginias. Beim Abstieg begann es fürchterlich zu regnen und der Weg verwandelte sich wieder in einen Fluss und ich war nach 3 min komplett nass. Nach einer Weile kam ich in den Grason Highlands Park. Hier sind wilde Ponys zu Hause. Ich sah tatsächlich auch welche ganz weit entfernt unter ein paar Bäumen stehen. Das war allerdings zu weit weg für meine Kamera und auch nicht sonderlich toll im strömenden Regen. Kurz vor dem Shelter hörte es auf und ich konnte ein bisschen trocknen, bevor ich zur Belohnung meiner Mühen die 500 Mi überqueren konnte.
Trailmeile: 502.5

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Tag 45 8.5. Partnership Shelter:
Da wir letzte Nacht wieder mal einen schnarchenden Spezialisten im Shelter hatten, war an schlafen weniger zu denken. Um kurz vor 7 machte ich mich dann diesmal direkt in die richtige Richtung auf um unser Ziel in 19 Mi Entfernung zu erreichen. Die Schuhe und Socken waren noch feucht vom gestrigen Regen und gingen dann fließend in den feuchten Zustand durch das Schwitzen über. Da heute wirklich, bis auf einen Wasserfall und einen kurzen Ausblick, nur grüner Tunnel angesagt war möchte ich heute mal einen kurzen Ausflug in die allgemeinen Schwierigkeiten des Trails wagen. Der Weg wird klassisch in drei Teile eingeteilt. Die ersten 1000 km sind körperlich sehr ansprechend, da es auf und ab geht und der Körper noch nicht angekommen ist. Mental ist die Sache eher weniger ein Problem, da alles neu ist und man ständig dazulernen kann und neue Leute kennen lernt. Die zweiten 1000 km sind körperlich nicht so schlimm, da es doch eher flach ist. Der Kopf beginnt nun aber nachzudenken z.B.: „Warum mache ich das eigentlich jeden Tag?“. Die letzten 1000 km sind für beide Teile sowohl für den Körper, als auch für den Kopf eine absolute Herausforderung. So langsam kommen wir in diese zweite Phase. Wir sind bereits gegen 14:45 im Shelter angekommen, also dachten wir uns das wir noch weitere 4 Mi bis zu einer Campsite gehen könnten. Dort angekommen war es gerade mal 16:30 und das nächste Shelter lockte mit einer Dusche. Also sind wir weitere 6 Mi gegangen, alles in allem waren es also heute 29 statt 19, aber die Dusche war dann auch mehr als nötig und es gab sogar noch eine Coke zu den üblichen Ramen (heute etwas schärfer). Das Shelter liegt direkt an der Straße, das heißt morgen geht es für einen kurzen Resupply in die Stadt und Nachmittags wieder zurück auf den Trail.
Trailmeile: 531.5

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Tag 37 – 41 Roan bis Damascus

Tag 37   30.04. Mountaineer Shelter:
Da wir gestern ja einen vollen Wandertag hatten, wollten wir heute mal einen umgekehrten Nero probieren, das heißt bei nur 9 Mi erst kurz vor dem Mittagessen loslaufen und den Vormittag genießen. Dazu gehört natürlich auch das Ausschlafen am Morgen. Das funktionierte leider nur begrenzt, da ich auf einer Couch im Gemeinschaftsraum des Bunkhouse (quasi Bettenhaus) schlief. Hikerkollege Sparrow machte sich um 6:15 erst mal eine Kaffee in der Mikrowelle und danach war es aus mit dem Schlaf. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mein Körper schon auf diese Zeit geeicht ist und damit an ein längeres Schlafen eher nicht zu denken ist. Zur Belohnung gab es nach der eigenen Aussage der Hostelbesitzerin das „beste Frühstück“ auf dem Trail. Es war wirklich wunderbar, denn es gab Schinken, Eier, French Toast, Obst, Muffins, usw. Ich muss tatsächlich zugeben, dass dieses Frühstück ein Anwärter auf den Titel ist, aber es sind noch ein paar Meilen zu absolvieren und noch das ein oder andere Frühstück zu genießen. Für den Resupply ging es danach in den General Dollar ( ein Lebensmittelladen). Es gab dort doch tatsächlich keine Instantnudeln mehr, also musste ich auf andere Nudelgerichte ausweichen. Mit einem mehr als schweren Rucksack ging es dann auf den Trail für unsere heutige Etappe. Am Anfang war nur die Sonne zu sehen, aber nach 2,5 h zogen dunkle Wolken auf und es regnete dann immer mal wieder. Am Ende des Tages erwarteten wir dann auch die 400 Mi Marke, die aber leider nicht markiert war – schade. Das Shelter lag dann an einem Wasserfall, der im Sommer sehr gut als Dusche genutzt werden kann, aber jetzt eher frösteln lassen würde.
Trailmeile: 402.8

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Tag 38   01.05. Laurel Fork Shelter:
In der Nacht hagelte es wahnsinnig (die Hagelkörner blieben bis Mittag liegen) und hämmerte auf das Dach. Am Morgen regnete es dann leicht und die Sicht war im Nebel bei 20 m. Es waren keine Aussichten zu erwarten und das Profil war ohne große Steigungen als recht moderat einzuschätzen. Am Ende des Tages gab es einen Wasserfall – den Laurel Fork, an dem ich 20 min nach dem nächsten White Blaze suchte, bevor Silent Force von oben auf dem Weg herunter kam und der Trail 20 m über mir weiter ging. Im Prinzip habe ich damit schon den ganzen Tag beschrieben. Im Kopf hatte ich mir am Morgen schon ein paar Zeilen überlegt, die ich hier im Blog geschrieben hätte, aber das verschiebe ich nun auf ein anderes Mal, denn ein Tag ist wirklich dann zu Ende, wenn man die Augen zu macht. Zunächst zur Vorgeschichte. In allen vorherigen Sheltern hielten es viele nicht mehr für nötig einen Bearbag zu hängen. Es hätte also nix gebracht, wenn wir unseren als einzigen aufgehangen hätten, denn da waren ja noch meist 2-3 andere Futterbeutel innerhalb des Shelters für die sich ein Bär interessiert hätte. Heute waren wir nur zu dritt im Shelter und es stand die Frage nach dem Bearbag im Raum. Lightning Bold wollte nicht unbedingt, da er inzwischen anzweifelt, dass es hier überhaupt Bären gibt. Ich dagegen war der Meinung, dass wir einen Aufhängen sollten. Lightning Bold gab mir seine Leine und ich bugsierte sie über einen Ast. Das Shelter ist nun höher gelegen und von einigen steilen Abhängen umgeben. Beim Hochziehen der drei Säcke riss nun aber blöderweise das Seil und alle drei Säcke purzelten den Abhang hinunter bis ein Baum sie stoppte. Lightning Bold  musste nun entlang des Abhangs laufen um an unser Essen zu kommen. Er kam auch bis zum Baum und konnte das Bündel aufnehmen. Meinen Bearbag hatte ich nur mit einem normalen Materialkarabiner festgemacht, wie er auch beim Klettern verwendet wird. Diese werden jedoch nur zum Befestigen von Materialien genutzt, da man sie mit einer Handbewegung aufmachen kann (ein Karabiner zum Sichern von Menschen braucht min. 2 Handbewegungen). Beim zurückklettern machte Lightning Bold nun diesen einen Griff und mein Sack löste sich vom Bündel und verabschiedete sich nach noch weiter unten. Also hieß es für mich und Silent Force Wanderstiefel anziehen und mit den Stöcken den Abhang hinunter und den Sack wieder hoch holen. Da es nicht geregnet hatte, war der Hang wenigstens trocken und zum Glück klappte alles. Ich dachte eigentlich immer, wenn ich am Shelter abends ankomme, muss ich nicht mehr Schwitzen, aber das kann ich nun auch über Bord werfen.
Trailmeile: 420.4

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Tag 39    02.05. Vandeventer Shelter:
Nach unserer gestrigen Bearbag Aktion bemerkte ich heute Morgen, dass mein Packsack das Ganze nicht unbeschadet überstanden hat. Es müsste also in der nächsten Zeit ein wenig Panzertape her um ihn ein wenig zu flicken. Der Morgen begann auf der Schattenseite des Berges. Es standen über den Tag verteilt 1000 m auf dem Programm, die es zu erklimmen galt. Nach dem ersten Berg kamen wir an den Watauga Lake. Die Sonne brannte inzwischen ziemlich erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht, denn gestern habe ich noch gefroren, bin mit Handschuhen gelaufen und heute waren es 25 grad im Schatten. Die Folge war, dass ich am zweiten Anstieg ganz schön zu tun hatte. Zum Glück gab es eine kleine Trailmagic mit einer eiskalten Flasche Wasser, einer Banane und – ohh wie toll – ein Snickers. Mit dieser Stärkung klappten dann auch die letzten Meilen. Zum Abendessen gab es dann zur Belohnung die beste Aussicht von einem Shelter in dem wir dann auch genächtigt haben. Die Landschaft war wie gemalt und das Glück, sich bei sowas die Zähne zu putzen hat man auch nicht häufig.
Trailmeile: 436.2

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Tag 40   03.05. Abingdon Gap Shelter:
Das Profil für den heutigen Tag sah eher gemächlich aus, es standen daher irgendwas zwischen 14 – 22 Mi auf dem Plan. Da meine Füße schon kurz nach 7 wieder den festgestampften Boden des Trails spürten, hatte ich um 12:30 auch schon die 14 Mi hinter mich gebracht. Zwischendurch gab es sogar ein Schild, dass mich auf eine Selbstbedienungsbox für Trailmagic aufmerksam machte, die gleich kommen sollte. Ich freute mich wie ein kleiner Schuljunge, aber siehe da die Box war leer – Pech gehabt. Die letzten Reste wurden gestern entnommen. Da das Wetter warm bei einer leicht kühlen Brise sehr angenehm zum Wandern war, ging es dann weitere 8 Mi Richtung Norden. Morgen geht es rein nach Damascus und dort gibt es einen Nero und Zero. Leider gab es auch heute nur Aussichten zwischen den Bäumen. Ich möchte daher mal kurz auflisten, was ich an einem solchen Tag esse. Alle Gewichts- und Kalorienangaben sind schon summiert.
2 Poptart 200 gr 800 kal
2 Slim Jim 55 gr 340 kal
Käse 120 gr 520 kal
1 Snickers 53 gr 250 kal
1 Nutty Bar 50 gr 400 kal
1 M&Ms 390 gr 2000 kal
4 Instantnudeln Ramen 232 gr 1600 kal
Erdnussbutter 150 gr 600 kal
Das macht alles in allem 1200 gr und 6510 kal (normalerweise liegt der Verbrauch wenn man nicht wandert bei ungefähr 2000 kal). So viel essen die meisten hier im Moment nicht. Ich vermute das sich viele deswegen meistens müde fühlen, aber das ist nur eine persönliche Vermutung.
Trailmeile: 458.9

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Tag 41   04.05. Damascus:
Um kurz vor 6 hieß es heute Aufstehen, um 6:45 waren die Rucksäcke gepackt und wir waren bereit für die letzten 10 Mi nach Damascus, der nach verschiedenen Angaben „Hiker freundlichsten Stadt“ auf dem Trail. Hier wird Jahr für Jahr das größte Event, die Traildays, gefeiert. Sie finden in diesem Jahr allerdings erst in 1,5 Wochen statt, also ein bisschen zu lange um darauf zu warten. Da die Strecke größtenteils leicht bergab verlief, konnten Silent Force und ich nach 2 h und 6,5 Mi die Landesgrenze von Tennessee und Virginia passieren. Virginia ist mit mehr als 500 Mi der längste Staat hier am Trail und wird uns eine Weile beschäftigen. Die restlichen Meilen waren dann schnell vorbei und wir kamen in eine wirklich schöne Kleinstadt, die sich gerade für das bevorstehende Fest herausputzt. Nun hieß es nur noch einen Platz für die Nacht finden und das gestaltete sich als schwierig. Alle Betten waren belegt und auf Zelten in der Stadt hatten wir keine Lust. Daher hieß es für uns 11 Mi raus aus Damascus nach Abingdon die nächste große Stadt. Bevor wir das jedoch in Angriff nehmen konnten, mussten wir noch auf ein Päckchen für Silent Force warten. Normalerweise hätten wir dann in der Zeit unsere Wäsche gewaschen und etwas gegessen, aber einen Waschsalon haben wir auf der Karte nicht gefunden und das Diner fürs Mittagessen war geschlossen. Wenigstens Lightning Bold konnte ein neues paar Schuhe ergattern, denn es gibt hier mehr Outfitter als Restaurants. In Abingdon checkten wir dann ins Super8 ein und freuen uns seit dem über ein eigenes Zimmer und über den morgigen freien Tag.
Trailmeile: 469.1

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