Tag 5 – 6 Neel Gap bis Helen

Tag 5   29.03. Low Gap Shelter:
Heute hieß es mal aus einem normalen Bett aufstehen, was nochmal extra hart war, denn wir wussten das es draußen unter 0 grad war und wir uns dort wieder Vergnügen dürften. Martin wollte heute gerne 20 Mi schaffen. Da ich jedoch abwinkte, wollte er es sich im Laufe des Tages noch einmal überlegen. Wir verabschiedeten uns dennoch voneinander für den Fall das wir uns heute trennten. Also wieder jede Menge anziehen und hinaus in den kalten, klaren Morgen. Aus dem Weg wurde heute sogar gelegentlich ein Parkplatz, obwohl ausreichend Platz da war. Es wurde ansonsten ein wunderschöner Wandertag bis Low Gap Shelter. Hier laß ich, dass Martin 1 h vor meinem Eintreffen ins nächste Shelter aufgebrochen war. So endete unser gemeinsamer Weg heute vorerst, aber der Weg ist lang und man weiß nie, wo man sich wieder sieht. Morgen geht es nach einem kurzen 10 Mi Sprint nach Helen.
Trailmeile: 43.2

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Tag 6  30.03.  Helen:
Heute Nacht gab es zum ersten Mal einen richtigen Gewittersturm. Da wir im Shelter lagen, war für uns alles ok und wir sind trocken geblieben. Beim Schnüren meiner Schuhe fiel mir auf, dass eine Schnalle gebrochen ist. Nach einer Woche nicht besonders toll! Ich hinterließ eine Nachricht für Gernot, dass wir heute nach Helen gehen wollten. Er wollte gestern eigentlich noch bis Low Gap kommen, aber wir vermuteten, dass er ein Shelter vorher abgebogen ist. Es regnete leicht als es zurück auf den Trail ging und der Weg war heute etwas zwischen Schlammschlacht und Geröllfeld. Ich wollte im Blue Mt. Shelter für Gernot eine Nachricht hinterlassen. Aber ich las dort, dass Gernot schon gestern dort angekommen war und unser Shelter einfach nicht gesehen hat. Das heißt, er hatte gestern einen 20 Mi Tag. So langsam ziehe ich meine Fleecemütze bzw. Buff vor ihm. Im Unicoi Gap wurden wir (Lightning Bold, Silent Force und ich) zum Best Western Inn gefahren. Hier gibt’s heute schon wieder ein weiches Bett, ich weiß – ziemlicher Luxus hier. Helen ist ein kleiner Touristenort und soll deutsche Alpenromatik verkörpern, was in unseren Augen ziemlich witzig ist. In 2 Tagen wollen wir in Hiawasee sein, dort einen Zero einlegen und dann langsam unsere Tagesdistanzen Richtung 12 / 13 Mi erhöhen.
Trailmeile: 52.9

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Tag 0 – 4 Approach Trail bis Neel Gap

Tag 0  24.03. auf den Springer Mt.:
Heute früh gab es noch einmal ein zünftiges Frühstück im Hiker Hostel bevor es für ein paar Tage nur noch Instantnudeln und Cracker geben wird. Der Amicolo State Park empfing uns mit 17 C (ich schreibe in Zukunft nur C nicht grad C) und Sonnenschein. Im Besucherzentrum haben wir uns registriert und ich trage die Nummer 720. Es ging danach direkt zum Steinbogen, wo so viele schon darunter standen um ihren Weg zu beginnen. Es dauerte gefühlte 2 min bis die Suppe lief und die vorher sorgfältig aufgetragene Sonnencreme sich verflüchtigte. Die 604 Stufen auf den Wasserfall waren nach 20 min gegessen und wir waren der Meinung, jetzt sind wir oben und laufen nur noch auf dem Grad des Berges. Der Weg belehrte uns eines besseren. Es ging ständig bergauf und bergab.
Martin war nach 15 min verschwunden, aber ok jeder läuft seinen eigenen Weg. Nach 3 Pausen erreichte ich Springer Mt. um 15.30 bei herrlichsten Sonnenschein und wunderbarer Aussicht. Martin wartete schon 1 h auf mich und hatte auch schon mit dem „Hausmeister“ des Berges Bekanntschaft gemacht. Er gab uns am Abend unsere erste Lektion in Sachen Bearbag hängen. Martin bekam inzwischen den Trailnamen „breakless“, weil er den ganzen Tag ohne Pause zum Springer gelaufen ist. Die Nacht wird hoffentlich gut.
Trailmiles 0
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Tag 1  25.03.  Hawk Mt. Shelter:
Die Nacht war nicht ganz so wie wir es erwartet haben, denn 2 Leute haben das Shelter ziemlich hart zersägt. Das heißt es war eher weniger Schlaf möglich. Ich hatte sogar theoretisch Oropax vom Flug, aber die waren in den Tiefen meines Rucksacks verschwunden. Nach einem trockenen Poptart (einem Keks mit Marmelade) und einer wirklich guten Trinkschokolade Swiss Miss ging es noch einmal 200 m zurück auf den Gipfel. Die Aussicht beschränkte sich auf lediglich 10 m bei leichtem Regen, aber sobald man los läuft wird einem warm und alles ist einigermaßen ok. Nach 4 Mi bergab kam ich nach Three Forks, wo es ein netten Snack gab.
Danach standen weitere 4 Mi bergauf an. Die Sonne kam jetzt immer mehr durch und es wurde alles in allem ein wirklich schöner Wandertag zum Hawk Mountain Shelter. Hier wird es jetzt richtig voll, da hier alle Hiker zusammen kommen, egal ob sie den Approach Trail gegangen sind oder nicht. Da ich schon um 13:30 ankam, hatte ich einen durchaus angenehmen Nachmittag bei einer Packung Reis und Lindt Schokolade, die Martin noch im Rucksack hatte. Er gab mir inzwischen meinen Trailnamen: „TakeItEasy“, da er der Meinung ist, dass ich die Sache relativ ruhig und gelassen angehe. Nach einer Weile kam auch Gernot an. Er ist ein 65 Jahre alter Deutscher aus Zinnowitz mit einem 25 kg Rucksack. Morgen soll es gewittern und stürmen, aber mal schauen was da noch so kommt.
Trailmiles: 8.8
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Tag 2   26.03.  Gooch Mt. Shelter:
Beim heutigen Aufstehen lief alles in gemächlichen Bahnen, denn es regnete leicht. In einem Rucksack, der im Shelter hing, hatte ein fleißiges Eichhörnchen über Nacht 20 Eicheln eingelagert. Die flogen im hohen Bogen wieder hinaus. Viele der Zelte standen bereits nicht mehr und ihre Besitzer waren im Nebel auf dem Weg verschwunden. Ich war der Vorletzte, der nach einem trockenen Poptart und einer Swiss Miss das Shelter verließ und zurück auf den Trail marschierte. Da ich zunächst kein White Blaze sah, begann ich den Berg hinauf zu marschieren. Nach gut 300 m stand ein Schild „Not the AT“. Ich dachte mir: „Gut dass das Schild hier steht, ansonsten wäre es ein ziemlich hässlicher Tag geworden“. Es hieß also umdrehen und den Weg finden, was mir dann auch gelang. In der Ferne hörte man wie die US Rangers Krieg spielten, aber so lange ich nicht in die Schusslinie komme würde, sollte es wohl keine Probleme geben. Nach und nach überholte ich mehrere Hiker die vor mir gestartet waren und auch das Wetter wurde besser und besser. Um 13:15 kam ich am Gooch Mt. Shelter an, wo Martin bereits seit einer Stunde rumsaß. Er ist wirklich ziemlich schnell unterwegs, aber wir sind ja hier nicht bei einem Sprint sondern einem Marathon. Nach einem guten späten Mittagessen bestehend aus Instantnudeln und darin aufgelöster Erdnussbutter (schmeckt echt nicht schlecht), begann der gemütliche Teil des Tages mit Quatschen und Geschichten. Heute Nacht soll es Gewittern, aber mal schauen was daraus wird. Das Shelter ist am Abend brechend voll. Beim Aufhängen des Bear Bag bekamen wir das Problem, dass die Kabel total verhäddert sind und es macht sich wirklich nur begrenzt gut, mit einer Lampe auf dem Kopf den Kabelsalat aufzulösen.
Trailmeile: 15.8
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Tag 3   27.03.  Lance Creek:
Auch dieser Morgen begann relativ gemütlich, wobei die Nacht kälter war als bisher und es zog wie Hechtsuppe. Lauren, die draußen gezeltet hatte, fand in ihrem Schuh auch wieder eine Menge Eicheln. Es ist schon verrückt, wo die Eichhörnchen ihre Vorräte überall anlegen wollen. Da das Wetter nicht besonders einladend war, ging es auch relativ schnell los nach Lance Creek. Dort erwartete uns kein nettes Shelter, sondern nur eine Campsite mit Zeltplattformen. Nach 1.5 Mi erwartete mich meine erste Trailmagic. Was ist Trailmagic? Es sind einfach wahnsinnig nette Leute, die sich am Trail sogar in den Regen stellen, nur um dir ein nettes Frühstück anzubieten. Da es aber wirklich kalt war und es leicht regnete, aß ich nur ein kleinen Haferbrei mit Rosinen und Cranberries. Bis Woody Gap wurde es auch nicht besser. Ab diesem Punkt fängt die Blood Mt. Wilderness an. Später erfuhr ich, dass es dort wohl auch Trailmagic gab, aber da war ich wohl zu blind. Es gab ein paar Cola und Bierflaschen auf einem Campingtisch. Der Regen und die Wolken verzogen sich dann langsam und es gab dann auch einen schönen Blick auf die umgebende Landschaft. In Lance Creek baute ich dann schnell mein Zelt  auf. Da der Himmel am Abend absolut wolkenfrei war, wurde es ziemlich kalt. Clint, einer der Amerikaner mit dem wir seit dem Springer unterwegs sind, hatte versucht in Woody Gap eine Cabin für alle zu reservieren, was jedoch leider nicht möglich war. Das hieß für uns am nächsten Tag zeitig aufstehen. Martin sollte loslaufen und die Cabin besorgen und ich sein Zelt abbauen und mitbringen. Das hörte sich gut an und die Verlockung einer heißen Dusche sind schon recht hoch nach 4 Tagen im Wald, wobei es im Moment auch noch gehen würde. Als ich in meinen Schlafsack schlüpfte, setzte leichter Schneefall ein, wobei manche Leute der Meinung sind, dass sie noch mal gemütlich Country Musik aufdrehen können und schlafen überbewertet sei.
Trailmeile: 24.8

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Tag 4   28.03.  Neel Gap:
Die Nacht war wirklich kalt. Ich hatte alles an, was ich dabei hatte inkl. 3 Paar Socken. Im Schlafsack ließ es sich auch aushalten, aber da raus kommen war schon eine ganz schöne Überwindung. Draußen sah man auch dann die Reste des Schnees. 10 min nach dem ich aufgestanden war, marschierte Martin los. Ich hielt mein Frühstück recht karg und brauchte 1.5 h um beide Zelte abzubauen. Das dauerte so lange, weil ich immer wieder meine Finger auftauen musste. Den ganzen Wandertag schien dafür die Sonne und man hatte einen tollen Blick vom Blood Mt. Auf dem Gipfel traf ich dann Lightning Bold, einen 41-jährigen Deutschen aus Berlin. Auf unserem Abstieg nach Neel Gap trafen wir auf jede Menge Tageswanderer. In Neel Gap erwartete Martin uns bereits mit einer Cabin für 4 Leute. Ich genoss die Dusche und bei einer Tiefkühlpizza und Fanta lassen wir den Tag ausklingen.
Trailmeile: 31.7

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Fazit nach 5 Tagen:
1) Hänge deinen Bear Bag nicht als letzter auf, da ansonsten andere Hiker die Bear Cabel so verhäddert haben, dass du nur Kabelsalat hast und du das ganze mit einer Lampe auf dem Kopf auflösen darfst.
2) Stell dein Zelt nicht in die Nähe des Lagerfeuers, da ansonsten die Leute ihr Radio so laut stellen, dass du nicht mehr schlafen kannst.

Der nächste Halt heißt in 2 Tagen Helen.
Bis dahin TakeItEasy

Der Weg auf den Weg

Am Sonntag den 22. ging es um 8.00 in Potsdam los um in Berlin Tegel zu starten. Mein Flieger hatte auch direkt 15 min Verspätung, aber da ich mit 4 h Aufenthalt in Paris gerechnet hatte war alles im Lot. Martin hatte ja bereits mit seiner Umbuchung recht viel „Glück“ gehabt, aber das war ihm offensichtlich nicht genug.Sein Flugzeug hatte 45 min Verspätung und so wurden aus 1,5 h Aufenthalt 45 min auf einem Flughafen der größer ist als Frankfurt. Das Boarding war bereits im vollen Gange als er am Gate eintraf. Als wir im Flugzeug saßen schaute Martin aus dem Fenster und sagte: „Hey da ist mein Rucksack auf dem Flugfeld.“ Während des Fluges gab es dann ziemlich viel zu Essen. Atlanta empfing uns mit Regen und 15 Grad. Nach der relativ schnellen Grenzkontrolle sollten wir theoretisch unser Gepäck in Empfang nehmen. Mein Rucksack war auch da, Martins hatte es nicht vom Flugfeld ins Flugzeug geschafft und durfte noch eine Nacht in Paris bleiben. Die Nacht haben wir dann bei einem netten Couchsurfer verbracht, der uns vorher noch seinen Arbeitsplatz in einem der Wolkenkratzer von Atlanta gezeigt hat.
Am Montag ging es nach einem zünftigen Frühstück beim Waffle House in den REI und den Walmart, um die letzten Sachen wie den Kocher zu besorgen.
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Ich muss sagen hier in den USA wirkt alles größer als in Deutschland und vor jeder U-Bahn Station ein US-Flagge flattert. Es ist so wie man das aus allen Filmen kennt – sehr groß und patriotisch. Der Tag endet mit einer großen Pizza auf der Veranda, im liebevoll gestalteten Hiker Hostel.

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Für den ein oder anderen gab es auch einen Crashkurs was er auf dem Trail braucht und was nicht.
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Morgen geht es nun nun mit dem Approach Trail los. Am Mittwoch starten wir den richtigen Trail.

Der letzte Eintrag aus Deutschland

Morgen geht’s nun los. Mein Flieger startet in Berlin nach Paris und von dort aus geht es weiter nach Atlanta. Bis vor 3h dachten Martin und ich das wir zusammen auf große Tour gehen werden. AirFrance war dann aber offensichtlich der Meinung das es unmöglich ist das 2 Leute zusammen fliegen können und hat Martin kurzerhand auf einen späteren Flug nach Paris umgebucht – na super. Wir hoffen das wir nun morgen trotzdem ohne Probleme von Paris abheben. An dieser Stelle möchte ich mich noch für alle eure guten Wünsche bedanken.

Zeit bis zum Start < 24h

Endspurt

Es sind nun nicht mehr viele Tage bis der Flieger Richtung USA abhebt. Für das halbe Jahr braucht man natürlich ein bisschen Ausrüstung.Ich denke das es die perfekte Ausrüstung nicht gibt, da jeder individuell immer irgendwelche speziellen Wünsche hat, daher ist ausprobieren angesagt. In Neels Gap, ungefähr 60 km nach dem Start, trifft man zum ersten Mal wieder auf Zivilisation und dort werde ich noch einmal die komplette Ausrüstung überdenken und sicherlich das ein oder andere rausschmeißen, damit mein Rücken nicht ganz so viel tragen muss.

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Am Mittwoch hatte ich noch einmal das Glück mit einem Thru Hiker aus dem letzten Jahr zu sprechen. Mein Kumpel Martin (https://derblindfischaufdemat.wordpress.com/) mit dem ich in die USA fliegen und diese Abenteuer bestreiten werde, hatte das Treffen mit Philipp (http://frischluftgeschichten.de/) organisiert. So wurden bei regnerischem Wetter in der Nähe des Bahnhofs Ostkreuz witzige und nützliche Infos ausgetauscht. Er machte uns beide richtig heiß auf den AT und man kann nun auch die Tage bis zum Start an beiden Händen abzählen.

Es gibt an sich nicht mehr viel zu tun, außer Rucksack fertig packen und die Einkaufsliste für den Walmart und REI schreiben, von daher heißt es noch mal ausruhen und ein bisschen was Essen um doch noch das ein oder andere Gramm anzusetzen.